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10.01.2021 09:55 Uhr

David Rovics: Die Vorzüge der Laubbläser

Der US-Musiker gibt dem Kampf auf der Straße eine Stimme
»Say their names!«: Der Musiker David Rovics

Schon Folklegende Woody Guthrie wusste, dass eine Akustikgitarre eine Maschine sein kann, um Faschisten zu bekämpfen. Der US-Musiker David Rovics (Jahrgang 1967) pflegt diese Tradition weiter: Wie Joe Hill, Guthrie und Pete Seeger nutzt er seine Sechssaitige, um auf Demos und Streiks seine politischen Botschaften zu verbreiten. Ein Flugblatt ist schnell zerknüllt und weggeworfen, ein Lied bleibt im Kopf – wenn es gut gemacht ist. Das sind Rovics‘ Lieder, und eingängig, klug, humorvoll dazu. Schnell reagiert er mit ihnen auf tagespolitische Ereignisse, schreibt so gewissermaßen ein »Songgeschichtsbuch« der USA, wie es die Chefredakteurin von Melodie & Rhythmus, Susann Witt-Stahl, formuliert. Sein 200-plus Repertoire, entstanden in einer langen »Karriere« als Straßenmusiker und Protestsänger, stellt er kostenlos über seine Homepage zur Verfügung.

Anders als bei vielen seiner Landsleute kann man das Wort »Socialism« bei Rovics wirklich als »Sozialismus« übersetzen. Der Anarchist kennt den Unterschied zwischen der US-amerikanischen Ausprägung von Sozialdemokratie und einer wirklich kapitalismuskritischen Politik. Das zeigt sich im Livegespräch mit Witt-Stahl, der Musiker ist aus seiner Heimat Portland zur XXVI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz zugeschaltet. Das Problem der USA sei weit größer als »bloß« Rassismus, so Rovic. Vielmehr werde man gerade Zeuge des Aufstiegs einer neuen faschistischen Bewegung – eine Folge der immer tieferen gesellschaftlichen Spaltung durch den Klassenkampf von oben seit den 70er Jahren.

Danach gibt er, das erste Mal seit knapp 20 Jahren wieder Gast der RLK, Kostproben seines Könnens, singt von politischen Lügen und coronakranken Arbeitern am Band, den zahllosen von einer rassistischen Polizei ermordeten Schwarzen, deren Namen man nie vergessen darf (»Say their names!«) und den Vorzügen von Laubbläsern im Kampf gegen Tränengas. Das alles wirkt wie eben erst hingeschrieben und geht in seiner Unmittelbarkeit und Direktheit, dem abrupt abreisenden Vortrag besonders unter die Haut. Einer der emotionalsten Momente der diesjährigen Konferenz. (ts/pm)

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