14.10.2016 / Presseerklärung

Erscheinen gefährdet

Die Existenz der in Berlin erscheinenden überregionalen Tageszeitung junge Welt ist gefährdet. Zwar konnte die Zeitung die verkaufte Auflage in den letzten fünf Jahren von 17.500 auf 19.400 steigern, die für die Ökonomie entscheidende Zahl der Abonnements sei aber um 2.000 zu niedrig, so Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer der Verlag 8. Mai GmbH, in der die Zeitung erscheint. Daher hätten die Einnahmen mit der Kostenentwicklung nicht mithalten können.

Die Folgen werden in der Samstagausgabe der Zeitung (15.10.2016) der Leserschaft mitgeteilt: „Praktisch hat dies dazu geführt, dass im laufenden Geschäftsjahr 2016 ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 144.000 Euro aufgelaufen ist. In unserer letzten Bilanz stehen dem Eigenkapital in Höhe von 25.600 Euro ein über die Jahre angesammelter nicht gedeckter Fehlbetrag in Höhe von über 950.000 Euro gegenüber.“ Damit die Herausgabe der Zeitung trotzdem fortgesetzt werden könne, müsse eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden. Darüber werde noch im Herbst eine außerordentliche Vollversammlung der Linken Presse- und Verlagsgenossenschaft LPG junge Welt eG beraten, Haupteigentümerin des Verlages. Es sei nicht einfach, in Zeiten eines rechten Vormarsches erfolgreich eine linke Tageszeitung zu machen, meint Stefan Huth, Chefredakteur der jungen Welt und ergänzt: „Eine linke unabhängige Zeitung ist aber gerade jetzt notwendiger denn je“.

Die junge Welt wurde vor fast 70 Jahren in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet. Nach 1990 für eine Mark an einen Westberliner Verleger verkauft, wurde sie 1995 eingestellt. Der damalige Betriebsratschef Koschmieder gründete mit Unterstützung von Teilen der Belegschaft den Verlag 8. Mai GmbH, um die junge Welt weiter herauszugeben. 1998 übernahm dann die junge-Welt-Genossenschaft die Mehrheit an den Verlagsanteilen. Mit den Einlagen der inzwischen 1874 Mitglieder werden Projekte wie die Einführung eines zweiten Druckstandortes im April dieses Jahres finanziert und die Liquidität des Verlages abgesichert. Entscheidend für das weitere Erscheinen sei aber der Bestand an bezahlten Abonnements, weil darüber die laufenden Kosten für die Zeitungsherstellung finanziert werden, so die Leitung von Verlag, Redaktion und Genossenschaft im offenen Brief an die Leserschaft.

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