XXI. Rosa-Luxemburg-Konferenz

Online Spezial aus der Berliner Urania, 09. Januar 2016

Alexej Markov: »Keine Diskussionsklubs«

07.01.2016, 16:58 Uhr

Alexej Markov: »Keine Diskussionsklubs«

Claudia Wangerin
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Alexej Markov, Gründer und Kommandeur der politischen Abteilung der kommunistischen Brigade »Prisrak« im Donbass gab im live geführten Video-Interview Einblicke in den Alltag der Kämpfer, die in westlichen Medien meist als »prorussische Separatisten in der Ostukraine« bezeichnet werden. An seinem Frontabschnitt in der nicht anerkannten Volksrepublik Lugansk gibt es demnach Freiwillige aus zahlreichen anderen Ländern: »Unsere Genossen aus Italien und Spanien, die leiden natürlich an diesen heftigen Wintern, die sind es nicht gewohnt. Aber umso leichter haben es unsere finnischen Genossen«, sagte er im Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Die Chefredakteurin der linken Musik- und Kulturzeitschrift war mehrfach in die Region gereist, saß heute aber auf dem Podium der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin. Sie fragte Markov auch nach direkten Auseinandersetzungen mit den rechten Freiwilligenbataillonen, die er im Gegensatz zur regulären ukrainischen Armee als »echte Nazis« bezeichnet. Laut Markov war seine Brigade schon mehrfach in Kämpfe mit ihnen verwickelt – sie hätten auch besonders häufig die Waffenruhe gebrochen. »Die regulären ukrainischen Truppen führen sich weitaus milder auf.« Auch sie würden übrigens von den faschistischen Bataillonen beschossen, die offiziell auf ihrer Seite kämpfen.

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»Es sieht so aus, dass es echten Nazis egal ist, wen sie umbringen.“ Auch die Regierung in Kiew bestehe allerdings aus »offenen Nazis« – demnach unterscheidet Markov deutlich zwischen der Regierung und den von ihr geschickten Soldaten, die er nicht pauschal als Unmenschen darstellen will. Er warnte allerdings vor Versuchen, »mit offenen Nazis Frieden zu schließen«, was schon in den 1930er Jahren in eine Katastrophe geführt habe.

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Die faschistische Gefahr in ganz Europa schätzt er als sehr ernst ein. Seine Genossen und er seien überzeugt, dass Faschismus eine gesetzmäßige Reaktion auf bestimmte Krisen sei. »In der derzeitigen historischen Phase erleben wir eine erneute Krise, die nicht nur wirtschaftlich ist, sondern eine tiefgreifende systemische und soziale Krise.« Als Zeichen dafür nannte er »die Unfähigkeit, mit Migrationsströmen menschlich umzugehen und die fehlende politische Souveränität in Europa«. Es sei zu vermuten, »dass die Regierungen jetzt auf den Rechtsradikalismus setzen werden und bewusst diese Strömungen fördern werden«. »Und wenn die Nazis, die in der Ukraine an die Macht gelangt sind, sich halten könnten, siegen würden, dann wäre das ein schlechtes Beispiel für ganz Europa.«

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Für einen Sieg gegen den Faschismus seien »echte kommunistische Parteien« nötig, »keine Diskussionsklubs«, sondern Parteien, deren Mitglieder im Notfall auch bereit sind, die Menschheit mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.«

»Zusammen sind wir in der Lage, den Faschismus zu besiegen«, sagte Markov zum Schluss unter großem Applaus.