Online Spezial: Free Gaza

Deutsche Flottille-Teilnehmer entsetzt über Gerüchteküche

29.06.2011, 18:07 Uhr

Deutsche Flottille-Teilnehmer entsetzt über Gerüchteküche

Korfu/Berlin. Deutsche Teilnehmer der bevorstehenden »Free Gaza«-Flottille haben sich in einem Leserbrief an die Tageszeitung Neues Deutschland über die öffentliche Dramatisierung ihrer internen Diskussionen beschwert. »Die einigen Mitgliedern zugeordneten Aussagen sind weder authentisch noch autorisiert«, so die Gruppe in dem Schreiben, das auch jW vorliegt.

Der mitreisende ND-Korrespondent hatte in seinem Artikel den möglichen Ausstieg friedfertiger Teilnehmer aufgrund von Gerüchten über die Beteiligung gewaltbereiter Araber geschildert. Diese wollten angeblich »von Akaba aus nach Gaza auslaufen«, was mit Blick auf die Landkarte keinen Sinn ergibt und nach Meinung der »Free Gaza«-Aktivisten schon viel über die Qualität des Gerüchts aussagt.


Israelische Zeitungen hatten am Montag von Militärs verbreitete Gerüchte über Chemikalien zitiert, die von Aktivisten an Bord der Schiffe gebracht werden sollten, um sie gegen israelische Soldaten einzusetzen. Die Informationsquellen dieser Militärs wurden nicht genannt. Die Organisatoren und Unterstützer des Schiffskonvois fühlten sich dadurch an frühere Kampagnen und Falschmeldungen erinnert.


Die Flottillenteilnehmerin Elfi Padovan sagte am Mittwoch telefonisch gegenüber jW, es habe unter den deutschen Mitreisenden eine Diskussion über die aktuellen Gerüchte gegeben. »Wir waren alle übermüdet«, so Padovan. Auch sei der Journalist völlig überarbeitet gewesen. Die Diskussionsteilnehmer hätten spontane Einschätzungen abgegeben, wobei ihnen nicht klar gewesen sei, daß der anwesende ND-Korrespondent sie namentlich zitieren und gleich die bevorstehende Spaltung an die Wand malen würde. Die deutsche Teilnehmergruppe wehre sich gegen diese Darstellung. Die Mission der »Free Gaza«-Flottille basiere auf Gewaltfreiheit, erklärte die Gruppe in ihrem Leserbrief. Interne Diskussionen würden basisdemokratisch, offen und vertraulich geführt. 


Der  jW-Korrespondent, der die Flottille begleitet, reist unterdessen als einziger Deutscher auf dem kanadischen Schiff »Tahrir« mit, das zur Zeit in einem anderen griechischen Hafen liegt. (jW)