Aus: Ausgabe vom 08.12.2016, Seite 15 / Medien

Propagandahilfstruppe

Zwielichtige Rolle der syrischen »Weißhelme«: Sie werden von den USA finanziert

Von Gerrit Hoekman
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Die Weißhelme machen sicherlich wertvolle Arbeit – lassen sich aber offenbar für politische Propaganda instrumentalisieren

Bana Al-Abed aus Aleppo rührt seit ein paar Wochen die Welt zu Tränen. Das sieben Jahre alte Mädchen lebt mit seinen beiden Brüdern und seiner Mutter Fatima im von den sogenannten Rebellen besetzten Ostteil der syrischen Metropole. Fast jeden Tag füttern Bana und ihre Mutter ihren Twitter-Account mit Nachrichten aus dem Krieg.

»Ich bin hungrig, ich will leben, ich will nicht sterben« twitterte sie neulich. Die Mainstreammedien rund um den Globus stürzten sich gierig auf die Siebenjährige und berichteten fast täglich über ihre neuesten Tweets, in denen sie die Welt zum Eingreifen in Aleppo aufruft. »Assad und Putin, stoppt die Bomben!« stand auf einem Zettel, den Bana in die Kamera hielt.

Kritischen Geistern fielen allerdings schon bald einige Ungereimtheiten auf. Sie fragten sich, wie es denn sein könne, dass ein Mädchen im Alter von Bana so gut in Englisch schreibt. Das Mädchen spricht die Fremdsprache nämlich nur rudimentär, wie ein auf Twitter hochgeladenes kurzes Video zeigt, in dem sich Bana in holprigem Englisch für einige »Harry Potter«-E-Books bedankt, die ihr die Erfolgsautorin Joanne K. Rowling nach Aleppo geschickt hatte.

Es stellte sich heraus, dass nicht Bana, sondern ihre Mutter Fatima sämtliche Tweets verfasst. Dahinter steckt Kalkül: Ein kleines Mädchen findet natürlich deutlich mehr Aufmerksamkeit als eine erwachsene Frau. Kinder für Kriegspropaganda zu missbrauchen hat eine lange Tradition, nicht nur in Syrien, sondern überall auf der Welt. Der Netzgemeinde ist der kleine Trick egal, inzwischen folgen Bana beziehungsweise ihrer Mutter über 200.000 User bei Twitter, aufmerksam gemacht durch Presse und Fernsehen.

Am vergangenen Sonntag war der Account plötzlich verschwunden, und alle fürchteten das Schlimmste. Kurz zuvor hatte die Mutter geschrieben: »Wir sind sicher, dass die syrische Armee uns gefangennehmen wird. Liebe Welt, wir sehen uns an einem anderen Tag. Tschüs.« Dann war der Account gelöscht, und die Mainstreammedien rund um den Globus fragten sich besorgt, was mit Bana und ihrer Familie wohl geschehen sei. Sie bauschten die Geschichte zu einem weiteren Beweis für die von ihnen konstatierte Brutalität des syrischen Regimes auf. Doch, oh Wunder, einen Tag später war Bana wieder online: »Hallo meine Freunde. Mir geht es gut«, schrieb sie.

Welche Rolle die Mutter spielt, ob und welche Verbindung sie zu den überwiegend islamistischen Aufständischen in Aleppo hat, ist unbekannt. Russland und Syrien sind sich sicher, dass die Gotteskrieger hinter der Propaganda stecken. Es ist noch nicht lange her, dass ein Foto um die Welt ging, das einen kleinen Jungen aus Aleppo zeigte, der über und über mit Staub bedeckt und blutigem Gesicht in einem Krankenwagen sitzt. Auch in diesem Fall handele es sich um eine Fälschung, sagt die russische Regierung, Propaganda also.

Besonders in die Kritik geraten ist in diesem Zusammenhang die syrische »Zivilschutzorganisation« der »Weißhelme«, die in den von den »Rebellen« besetzten Gebieten tätig ist. In diesem Jahr erhielten sie gar den Alternativen Friedensnobelpreis. Die Organisation wurde von den USA und Großbritannien aufgebaut und von London mit fünf Millionen Pfund Sterling unterstützt. Die Niederlande beteiligen sich ebenfalls an den Kosten. Nicht nur der bekannte amerikanische Journalist Max Blumenthal meldete erhebliche Zweifel an den noblen, unpolitischen Absichten der Zivilschützer an (vgl. jW vom 16.5.2015). Hauptsponsor sei immerhin die US-Entwicklungsagentur USAID, die bis jetzt rund 23 Millionen Dollar zum Etat der Hilfsorganisation beigesteuert habe.

Im Internet kursieren Videos, die belegen sollen, wie »Weißhelme« als Augenzeugen an Hinrichtungen teilnehmen. Auf einem dieser kurzen Filme ist zu sehen, wie ein Zivilschützer die Leiche eines Mannes fortträgt, der kurz vorher von den Islamisten der Nusra-Front ermordet worden war. Man habe nur für ein Notbegräbnis sorgen wollen, rechtfertigte sich die Organisation. Es soll zahllose weitere Vorfälle dieser Art geben.

Seit dem Beginn des Krieges in Syrien haben sich die Mainstreammedien zu Handlangern der sogenannten Rebellen gemacht, und sie sind offenbar wild entschlossen, diese Linie bis zum bitteren Ende durchzuziehen, auch wenn sie dafür die Realität verbiegen müssen. Am vergangenen Montag feuerten beispielsweise die Aufständischen aus dem belagerten Teil der Stadt gezielt Granaten auf ein russisches Feldlazarett, in dem syrische Zivilisten behandelt wurden. Zwei Ärztinnen aus Russland kamen bei dem Angriff ums Leben, ein weiterer Mediziner wurde schwer verletzt. Das Bombardement war den Medien im Westen kaum eine Zeile wert.

Zur Rolle der Weißhelme:
http://kurzlink.de/weisshelme

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