Aus: Ausgabe vom 31.03.2016, Seite 16 / Sport

Zwangsarbeit in Katar

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Unterkunft von Arbeitsmigranten in Doha (3. Mai 2015)

Ein am heutigen Donnerstag erscheinender Bericht von Amnesty International zeigt, wie die Menschenrechte von Arbeitsmigranten in Katar systematisch verletzt werden. 234 Bauarbeiter und Gärtner, die die Fußball-WM 2022 vorbereiten, indem sie am Khalifa-Stadion und im Sport- und Leistungszentrum am Stadion arbeiten, ließen sich für die Studie unter dem Namen »The Ugly Side of the Beautiful Game – Exploitation on a Qatar 2022 World Cup site« interviewen.

Den Arbeitern seien von ihren Bossen die Pässe abgenommen worden, um zu verhindern, dass sie Katar vor Ablauf des Arbeitsvertrags verlassen. Bauarbeitern würden ihre Löhne mit bis zu sieben Monaten Verspätung ausgezahlt. Beschwere sich ein Arbeiter darüber, drohe ihm sein Chef, ihn ohne die ausstehenden Löhne des Landes zu verweisen. »Arbeitsmigranten in Katar sind einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, man kann in einigen Fällen auch von Zwangsarbeit sprechen«, erklärt Regina Spöttl, »Katar-Expertin« bei Amnesty International in Deutschland. »Möglich gemacht wird dies durch das katarische Sponsorensystem Kafala: Jeder Arbeitsmigrant in Katar braucht einen Arbeitgeber als Sponsor. Ohne dessen Erlaubnis darf der Arbeiter weder seinen Job wechseln noch das Land verlassen«, so Spöttl. Einige Arbeitsmigranten aus Nepal hätten berichtet, dass ihnen nach dem Erdbeben im April 2015 die Heimreise verweigert wurde und sie deswegen nicht nach ihren Familien sehen konnten.

Amnesty International rechnet damit, dass sich die Zahl der Arbeitsmigranten auf den WM-Baustellen in Katar in den nächsten zwei Jahren auf etwa 36.000 verzehnfachen wird. Bei etwa 90 Prozent der Arbeitsmigranten in Katar handelt es sich derzeit um Männer aus südasiatischen Ländern wie Bangladesch, Indien oder Nepal. »Zwielichtige Arbeitsvermittler machen den Arbeitsmigranten in deren Heimatländern falsche Lohnversprechungen und verlangen hohe Gebühren von 500 bis 4.300 US-Dollar für eine Arbeitsstelle in Katar«, erklärt Spöttl. Wenn die FIFA jetzt nicht handle, sei sie mitverantwortlich dafür, dass die Fußball-WM 2022 auf dem Rücken Zehntausender ausgebeuteter Arbeitsmigranten ausgetragen wird. (jW)

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