Aus: Ausgabe vom 30.03.2016, Seite 10 / Feuilleton

Hochhuth, Fuß, Pat

Jubel der Woche

Von Jegor Jublimov
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Rolf Hochhuth war einmal ein furioser Theatermacher: Hier steht er links während einer Pressekonferenz im Herbst 1967 in Westberlin anläßlich seiner Tragödie »Soldaten«

Streitbar und ambivalent ist Rolf Hochhuth, der am Freitag 85 wird, aber eins kann man ihm nicht absprechen: seinen unbedingten Aufklärungswillen über die Verbrechen der Nazizeit. Sein Welterfolg »Der Stellvertreter« zu den Verstrickungen des Vatikans mit dem Faschismus wurde zur Uraufführung ebenso heiß diskutiert wie bei der Verfilmung von 2002. Bei allem Problembewusstsein sollte nicht vergessen werden, dass er durchaus auch »Rollenfutter« für gute Schauspieler lieferte. Beispielsweise schrieb er mit »Die Hebamme« 1973 für Publikumsliebling Ursula Herking eine Paraderolle, und Inge Meysel übernahm dann in der Fernsehfassung von 1976. Dabei war ihr Else Wolz schon 1974 zuvorgekommen. Die große alte Dame des Volkstheaters Rostock spielte die engagierte Nonne im DDR-Fernsehen. Hochhuth kämpfte gegen die Errichtung von Behelfssiedlungen in Ghettos bundesdeutscher Kleinstädte – ein gerade wieder brennend aktuelles Problem!

Auf dem Titelblatt der Fernsehillustrierten FF prangte im September 1968 der Schauspieler Walter E. Fuß. Es war nicht sein erster Titel, schon 1954 sah man ihn direkt neben Günther Simon auf dem farbigen Programmheft zu dem Film »Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse«. Obwohl Fuß über drei Jahrzehnte immer wieder kleine und mittlere Rollen vor der Kamera spielte, ist sein Name nicht so geläufig wie die Figur, die er im Kinderfernsehen verkörperte. Als Professor Flimmrich lud er wöchentlich zu einem Spielfilm ein, kommentierte, interviewte Gäste zu den jeweiligen Filmen und reiste auch mal in die Welt hinein, nicht nur in der DDR. Der Titel im Herbst 1968 galt einem Jubiläum, denn die »Flimmerstunde« wurde schon zum 500. Mal ausgestrahlt. Fuß wurde immer mit dem Flimmrich identifiziert, und in anderen Rollen musste er sich hinter einem großen Bart verstecken, wie 1966 in »Die Söhne der großen Bärin«. Mit 60 erlaubte ihm die Gesundheit nicht mehr weiterzumachen, mit fast 75 ist der gebürtige Hamburger am 1. April vor 20 Jahren in Potsdam gestorben.

Viele Flimmrich-Freunde verfolgten sicherlich auch »Pats Reiseabenteuer«, von denen sie im März vor 25 Jahren Abschied nehmen mussten. Die Comicserie aus der Zeitschrift Atze führte den fröhlichen Wanderburschen Pat seit 1967 allmonatlich durch frühere Jahrhunderte. Er erfuhr, wie die Menschen dort einst lebten, wo inzwischen der Sozialismus eingekehrt war. Autor Wolfgang Altenburger und Zeichner Harry Schlegel verbanden Spaß mit Aufklärung und bedauerten, dass es nach der Privatisierung zum abrupten Ende kam. Gefreut hätten sie sich sicherlich darüber, dass 2015 eine Gesamtausgabe mit Pats Abenteuern erschien – allerdings nur für die Mitglieder des Klubs der DDR-Comicfreunde, der in Dresden zu Hause ist.,

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