Aus: Ausgabe vom 29.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Bhagwan des Tages: Bodo Ramelow

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Für ihn als Christ, sagt Bodo Ramelow der Berliner Zeitung im Interview, sei Ostern »verbunden mit der Hoffnung auf Versöhnung«. Die Welt habe noch nie so viel von beidem nötig gehabt wie heute – »egal ob in Ankara, Paris und Brüssel Bomben explodieren oder in Aleppo Bomben fallen«. Aleppo? Da weiß der bundesdeutsche Medienkonsument, dass dort russische Bomben auf Zivilisten fallen. Erzbischof Jean-Clément Jeanbart von Aleppo hatte zwar am 9. Oktober 2015 gemeint: »Wladimir Putin hilft der Sache der Christen«, aber das war im Schweizer Rundfunk. Er wiederholte das sogar vor kurzem, andere syrische Kleriker äußerten sich ähnlich – aber so etwas dringt nicht bis nach Thüringen. Dort gibt es andere Sorgen: »Händeringend« sagten ihm, berichtet der linke Ministerpräsident, Wirtschaftsvertreter, sie könnten »dringend junge Flüchtlinge oder junge arbeitslose Europäer brauchen«. Verständlich. Angesichts des Alarms, den die FAZ am Sonnabend schlug (»Reallöhne in Deutschland steigen kräftig«), sind lohnsenkende Maßnahmen fällig. Im Freistaat waren übrigens im Februar 89.490 Menschen offiziell arbeitslos (7,8 Prozent).

Auf Nachfragen zu Christentum und Politik erläutert Ramelow, man könne »mit christlichen Werten Politik gestalten«. Der Satz vom »Opium fürs Volk« sei erst »unter Lenin« massiv antiklerikal geworden. Marx hatte zwar von »Opium des Volkes« und von Religion als Ausdruck des Elends wie Protestation dagegen geschrieben, aber wozu historischer Materialismus? Denn: »Am Ende kam auch Marx immer wieder an Punkte, die er nicht erklären konnte«. Richtig, er konnte nicht ahnen, dass ein Christ die Rettung von Christen in Aleppo in einen Topf mit Anschlägen gegen Zivilisten anderswo wirft. Aber der Guru, pardon, Linke, hat die Lösung: »Wir brauchen Spiritualität«. Einer seiner Amtsvorgänger meinte, neben die Evolutionslehre müsse der Kreationismus einen Platz in den Schulen Thüringens erhalten. Kann ja noch werden. (asc)

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