Aus: Ausgabe vom 29.03.2016, Seite 2 / Inland

»Der Krieg hat den Terror potenziert«

Keine Militäreinsätze als Antwort auf Anschläge. Mit dieser Forderung zog am Samstag der Ostermarsch durch Berlin. Ein Gespräch mit Jutta Kausch

Interview: Johannes Supe
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Krieg ist Terror – Schluss damit!« Unter dem Motto zog am Samstag der Ostermarsch durch Berlin. Weshalb haben Sie gerade einen Slogan gewählt, der diese beiden Themen verbindet?

Man versucht uns doch weiszumachen, dass der Terrorismus mit Krieg bekämpft werden müsse. Doch die Kriege, die überall geführt werden, sind bereits Terror. Das wollten wir klarstellen. In den vergangenen zehn Jahren ist man stets mit dem Militär vorgegangen. Doch überall, wo die westliche Welt mit Soldaten einmarschierte, ist der Terror nur größer geworden. Der Krieg hat ihn potenziert. Eingedämmt wurde der Terrorismus so nie.

Nur wenige Tage vor diesem Ostermarsch wurden in Brüssel Attentate verübt, denen mehr als 30 Menschen zum Opfer fielen. Eine militärische Antwort auf solche Verbrechen schließen Sie aus. Wie sollte ihnen dann begegnet werden?

Diese Anschläge sind zu verurteilen, sie sind Massenmord. Verübt werden derartige Verbrechen aber meist von Menschen, die in den europäischen Ländern leben. Sie zu verfolgen und zur Verantwortung zu ziehen, ist Sache von Polizei und Justiz. Aber Soldaten zu entsenden, etwa nach Syrien, um diese Terrorakte zu ahnden – das ist Stuss. Helfen wird es nichts.

Und welche Aufgabe käme dabei der Bundesrepublik zu? An die wenden Sie sich ja mit Ihrer Friedensdemonstration.

Sie müsste aufhören, Waffen zu exportieren. Als Minimum müsste damit begonnen werden, Rüstungsexporte in Krisenregionen zu stoppen. Geliefert wird bislang etwa an Saudi-Arabien. Einen Staat, der in den Ausbau des IS involviert ist. Mit diesen Rüstungsexporten macht sich die Bundesrepublik schuldig. Sie sind zu verurteilen. Ebenso wie die Einsätze der Bundeswehr im Ausland.

Mittlerweile sind deutsche Soldaten in Dutzenden Ländern stationiert. Auch da geht es teilweise um den Kampf gegen Terror. Nach den Anschlägen in Paris wurde von der Bundesregierung etwa die Solidarität mit Frankreich als Grund angeführt, um eine Beteiligung in Syrien zu rechtfertigen. Doch dahinter stecken andere Interessen, die sich mir allerdings nicht erschließen.

Mit Ihrem Protestzug sind Sie zum ersten Mal seit Jahren wieder durch einen belebten Stadtteil gezogen, durch Neukölln. Hat sich der Ostermarsch dadurch verändert?

Er war lebendiger als in den vergangenen Jahren. Für die letzten Ostermärsche haben wir versucht, Routen zu finden, die dem Thema der Demonstration entsprachen. Also solche mit Zwischenstationen von inhaltlicher Bedeutung. Doch die befanden sich in der Regel in den bevölkerungsarmen Gebieten von Berlin. Außer Touristen haben wir wenige Leute erreicht. Diesmal waren wir näher dran an den Menschen, wir wollten wieder rein in den Kiez.

Dennoch können Sie keine große Masse von Menschen mobilisieren. Nach Zählung von junge Welt nahmen 1.000 Personen an der Demonstration teil. Für eine Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern ist das ziemlich wenig.

Sehr viel größer ist der Ostermarsch nicht geworden. Aber es waren doch mehr da als im letzten Jahr. Wir haben am Ende noch einmal die Teilnehmer gezählt. Insgesamt kommen wir auf 2.000 Menschen. Das ist zuwenig, natürlich. Und wir könnten nun jammern. Aber wir sind da. Wir sind auf die Straße gegangen. Wenn andere nicht kommen, muss man sie doch einmal nach dem Weshalb fragen.

Und wie geht es nun weiter? Sie werden sich ja wohl kaum bis zum nächsten Ostermarsch ausruhen.

Wir haben einen großen Katalog an geplanten Aktivitäten. Anfang Juni findet in Berlin die ILA statt, die Internationale Luft- und Raumfahrtsausstellung. An ihr nimmt auch die Bundeswehr teil und gibt sich als normaler Arbeitgeber aus. Sie versucht Kindern das Soldatenleben schmackhaft zu machen. Dagegen werden wir protestieren. Am 24. Juni organisieren wir dann einen Antikriegsmarkt, ebenfalls hier in Berlin. Denn zeitgleich tagt der NATO-Rat in Warschau.
Zudem plant die Friedensbewegung eine zentrale Demonstration hier in Berlin. Sie wird zur Zeit vorbereitet, näheres lässt sich also noch nicht sagen. Doch der Termin steht bereits: der 8. Oktober. Dann werden sich alle Friedensgruppen und -netzwerke bundesweit hier zu einer zentralen Demonstration zusammenfinden.

Jutta Kausch moderierte den Berliner Ostermarsch. Sie ist Mitglied der Friedenskoordination Berlin (Friko)

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