Aus: Ausgabe vom 24.03.2016, Seite 16 / Sport

Tanzen nach zwei Uhr, und dann noch Sex? Max Kruse

Von Uschi Diesl
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Max Kruse hat jetzt Anwälte. Die aktuelle mittelschwere Aufregung um den Stürmer der VW-Werkself begann bei seiner Geburtstagsfeier am Wochenende. Kruse wurde von einer Bild-Reporterin heimgesucht. Deren Spezialität sind Selfies (»Glitzerkleidchen übergestreift, das dünne Beinchen ausgestellt, Mund zur Schnute gezogen, knipst sie ihr Spiegelbild und flutet damit das Netz«, war am Dienstag dem Politikteil dieser Zeitung zu entnehmen), nun knipste sie den Fußballer beim Tanzen nach zwei Uhr. Er soll nüchtern gewesen sein, aber Bild titelte am nächsten Tag: »Der wilde Kruse«.

Bundestrainer Joachim Löw nahm die Springer-Lektüre als Direktive, und warf den Stürmer noch am Montag aus der Nationalmannschaft. »Max hat sich zum wiederholten Male unprofessionell verhalten«, lautete die oberlehrerhafte Begründung. Löw sagt so etwas, ohne mit der gepflegten Wimper zu zucken. Was kann er mit »zum wiederholten Male« gemeint haben? Kruse steht seit Wochen in einem Shitstorm sehr privater Natur, substantiellere Vorwürfe Fehlanzeige. Im Februar kursierte eine private Sprachnachricht in »sozialen Netzwerken« und Whatsapp-Gruppen, Mitte März wurde dann noch bekanntgemacht, dass Kruse im Oktober in einem Berliner Taxi 75.000 Euro abhanden gekommen waren, wohl im Zusammenhang mit Poker, das er passabel spielt (beim weltgrößten Turnier, der »World Series« in Las Vegas, gewann er in den vergangenen beiden Sommern 36.000 bzw. 23.500 Dollar Preisgeld). So what?!

Am Dienstag trainierte Kruse in Wolfsburg nicht mit der Mannschaft, sondern alleine im Kraftraum. »Wir sehen ja, was hier heute los ist«, erklärte Trainer Dieter Hecking mit Blick auf die massierte Präsenz von Presse, Funk und Fernsehen. »Das muss er nicht durchmachen.« Klubgeschäftsführer Klaus Allofs versicherte den Journalisten, die Berichte der letzten Tage seien etwas, das »weder der VfL Wolfsburg noch unser Eigentümer toll findet«. Kruse sei im übrigen unmiss­verständlich klargemacht worden, »dass wir über seine Entschuldigung hinaus eine sofortige Veränderung seiner Lebensweise einfordern«. Die große »Jogi-Lösung« Rausschmiss aber sei schon aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht gegeben: »Bei uns ist er Angestellter mit einem Arbeitsvertrag über mehrere Jahre, und zum Nationalteam wird man berufen.«

Dem ließ der Vereinsboss dann noch mildere Töne folgen. »Wir müssen ihn langsam auch mal ein Stück weit schützen«, sagte Allofs. »Offenbar holen ihn derzeit Vorkommnisse und Probleme – auch aus seiner Vergangenheit – ein, die weder er noch wir steuern können. Wir haben bei der Aufarbeitung der aktuellen Entwicklung den Eindruck gewonnen, dass Max Kruse jetzt dringend unsere Hilfe benötigt.« Mit aus dem Ruder gelaufenen Vorkommnissen der Vergangenheit hat man bei VW Erfahrung.

Kevin Großkreutz rang dem Gerede über seinen früheren Nationalmannschaftskollegen einen recht ulkigen Sinnspruch ab: »Jeder Mensch hat eine Leiche im Keller und sollte sich an die eigene Nase packen.« Ob er zum Tanzen, Pokern oder Sexhaben in den Keller geht, ließ Großkreutz offen. Angemessen reagierte nur der Niederländer Bas Dost, Kruses Sturmkollege in diesem Wolfsburg, das nur bis Ende 1945 »Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben« hieß, aber noch heute ziemlich so aussieht. Er habe »Max darauf angesprochen«, teilte Dost über Sky mit, »wir haben sofort gelacht«.

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