Aus: Ausgabe vom 24.03.2016, Seite 16 / Sport

Immer dieselben

DFB-Präsident ist Wolfgang Niersbach schon nicht mehr. Doch der Skandal um die WM 2006 lässt ihn nicht los: Nun wird gegen den Funktionär ermittelt

Von jW
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Ab in die Produktion! Der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (rechts) und Generalsekretär Helmut Sandrock (links) schauten sich schon früh nach neuen Arbeitsgelegenheiten um, hier in einer Kohlenmine (Marl, Oktober 2014)

Jetzt trifft es Wolfgang Niersbach zum zweiten Mal. Obwohl er als DFB-Präsident zurücktrat, ist er abermals im Visier der FIFA-Ermittler. Am Dienstag hat die Ethikkommission des Weltfußballverbands ein formelles Verfahren gegen Niersbach eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, mögliche Verstöße gegen den Ethikcode des Verbands nicht an die FIFA gemeldet zu haben. Auch gegen den ehemaligen DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock wird in dieser Sache ermittelt. Zudem laufen Verfahren gegen Franz Beckenbauer, den Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger, den früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt und den einstigen stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans.

»Selbstverständlich werde ich in diesem Verfahren in jeder Hinsicht kooperieren und die Untersuchungen der Ethikkommission, in deren Arbeit ich uneingeschränktes Vertrauen habe, unterstützen«, sagte Niersbach. Dann beschwichtigte er: Es gehe ja »ausschließlich um einen möglichen Verstoß aus dem Jahr 2015 gegen die Meldepflicht«. Tatsächlich hat Niersbach aber etwas zu verlieren: Seine lukrativen Posten in der Fußballbürokratie. Er sitzt im Rat des Weltverbandes sowie im Exekutivkomitee der Europäischen Fußballunion.

Eingeleitet wurde das Verfahren nach einer »eingehenden Begutachtung« des Freshfields-Reports, wie die FIFA mitteilte. Der Bericht war am 4. März veröffentlicht worden, in ihm legen die Ermittler um den Schweizer Cornel Borbély ihre Vorwürfe gegen Niersbach dar. Deren Hintergrund ist die Weltmeisterschaft von 2006. Bei der Auswahl des Austragungsortes – das Spektakel fand in der BRD statt – sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. So wird etwa den Beschuldigten neben Niersbach und Sandrock zur Last gelegt, »unzulässige Zahlungen« veranlasst zu haben. Durch die sollen sich die deutschen Funktionäre Vorteile im Bewerbungsprozess erschlichen haben. Niersbach wiederum soll es versäumt haben, »Unregelmäßigkeiten« zu melden.

Dabei geht es um 6,7 Millionen Euro, die 2005 an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus geflossen sind. Das Geld nahm dabei einige Umwege, ging etwa durch die Hände Franz Beckenbauers. Für was die Millionen gezahlt wurden, darüber wird bislang noch spekuliert. Drei der möglichen Gründe:

1. Das Geld wurde zum Kauf einer oder mehrerer Stimmen aus Asien benutzt, damit die BRD den Zuschlag für die WM-Endrunde erhält. Der oder die Empfänger hätten dann allerdings lange auf ihre Gegenleistung warten müssen. Denn über das Austragungsland war schon zwei Jahre zuvor im FIFA-Exekutivkomitee abgestimmt worden.

2. Mit den Millionen wurde der Wahlkampf des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter finanziert. Doch auch das wäre rückwirkend gewesen, da Blatter 2002 schon kurz vor der Überweisung wiedergewählt worden war.

3. Das Geld war eine Art Provision für den früheren FIFA-Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam, der mittlerweile lebenslang gesperrt ist. Damit sollte sichergestellt werden, dass das damalige Mitglied der FIFA-Finanzkommission für eine Aufstockung des WM-Zuschusses auf die am Ende gezahlten 170 Euro Millionen sorgt.

(mit Material von sid)

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