Aus: Ausgabe vom 24.03.2016, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Kunst statt Propaganda

Zu jW vom 5./6. März: »Eine Frage der Stimmung«

(…) Gerhard Richter »irrationale Suggestion« zu unterstellen, zielt ins Nirwana des Kunstverstandes. Werner Jocks fordert »konkrete inhaltliche Bedeutungsbezüge«, er entdeckt Farben und Formen, Strukturen und Stimmungen, die ihm nichts bedeuten. Ironisiert wird das im Titel: »Eine Frage der Stimmung«. Er fordert von den Bildern »verursachende Widersprüche«, für die ihm jede Aufgeschlossenheit fehlt. Er kritisiert die Beliebigkeit der Bildinterpretation und beschränkt, was Kunst interessant macht: die Assoziationen des Betrachters oder der Betrachterin. Er verwechselt Kunst mit Propaganda. (…) Die Macht der Bedeutung den Künstlerinnen und Künstlern zu überlassen, ist eine Idealisierung der künstlerischen Leistung, die die Kunst in den bürgerlichen Verhältnissen einsperrt. (…)

Stephan B. Antczack, per E-Mail

Keine Sichel

Zu jW vom 16. März: »Schöbels Dilemma«

Da ich die junge Welt schon seit meinen Jugendtagen lese, tue ich das heutzutage auch noch, und das sehr genau. Was ich zu bemängeln habe, mag zwar banal klingen, ist aber für mich von Bedeutung. Heute las ich den Artikel von Ralf Richter. Ich möchte ihm ja nicht zu nahe treten, aber solche kleinen Fehler dürfen einem erfahrenen Pressemann nicht passieren. Es war zu lesen: »(…) die Wende-Fahne. Das war die DDR-Fahne mit einem Loch in der Mitte – just an der Stelle, wo sich das Emblem mit Sichel, Hammer, Zirkel und Ährenkranz befand.« Die Sichel befand sich nicht im DDR-, sondern im UdSSR-Emblem.

Bernd Bettels, Erfurt

Juniorpartner überflüssig

Zu jW vom 15. März: »Ein Erdbeben«

(…) Statt auf die Ähnlichkeiten mit der SPD und den Grünen bei einer gewünschten Regierungsbeteiligung als Juniorpartner zu setzen, in der Hoffnung, trotz der ansonsten falschen Sozialpolitik ein paar Prozente mehr bei den Wählern herauszuschlagen, sollte Die Linke endlich begreifen, dass dieser Weg nur zu ihrer Selbstauflösung führen kann. Damit wird Die Linke nur ihre kritischen Wähler, die eine klare Meinung über die Bedeutung der SPD und der Grünen in der Gesellschaft haben, verlieren. Die weniger kritischen Wähler der SPD und der Grünen werden ihre Favoriten erst recht nicht verlassen, wenn sie zwischen einem Junior- und einem Seniorpartner einer gleichen Politik wählen sollen. (…)

Olivera Götz, München

Tsipras an Verbrechen beteiligt

Zu jW vom 21. März: »Solidarität mit Flüchtlingen«

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei, Flüchtlinge, die es nach Griechenland geschafft haben, »zurückzunehmen« und im Gegenzug syrische Flüchtlinge aus der Türkei nach Deutschland zu schicken – das Ganze für viel Geld natürlich –, ist nicht nur ein schmutziger Deal, sondern Menschenhandel im großen Stil, also ein schweres Verbrechen! Auch der griechische Ministerpräsident ist beteiligt, wenn er diesen Deal mit »neue Wege gegen Schleuser« bezeichnet. Wo bleiben die auch von ihm einst viel beschworenen Menschenrechte? (…)

Eva Ruppert, Bad Homburg

Den Kriegen keinen Cent

Zu jW vom 21. März: »Solidarität mit Flüchtlingen«

Gebot der Stunde sollte sein, dass Flüchtlingen vollständige Hilfe zu gewähren ist. Die Kosten dafür gehören jedoch zu den Kriegskosten, die nicht vom Volk zu tragen sind. Wie im Ersten Weltkrieg: diesen Kriegen keinen Cent. Die Kosten sind ausschließlich von den Kriegsverursachern, angefangen von den USA bis hin zum deutschen Kapital, aus ihren Profiten und Dividenden zu tragen. (…)

Gerhard Ulbrich, per E-Mail

Westliche Realpolitik

Zu jW vom 10. März: »›Zorn lässt Widerstand wachsen‹«

Bei anderen Anlässen ist der Westen – und natürlich auch die Bundesregierung – schnell mit Sanktionen bei der Hand, z. B. bei Russland. Dies wäre auch im Fall der Türkei dringend geboten, wird aber mit Hinweis auf die unverzichtbare Hilfe der Türkei bei der Beseitigung der Flüchtlinge an Europas Grenzen (anders kann man das kaum nennen) gar nicht erst in Erwägung gezogen. Dies nennt man dann »Realpolitik«. (…)

Gerd Hoffmann, Wuppertal

Rassismus im Knast

Zu jW vom 18. März: »›Es handelt sich um eine politische Entscheidung‹«

Solidarische Grüße zum 18. März aus der Zelle 33. (…) Ich grüße auch alle Unterstützer im Kampf für Freiheit, gegen Ausbeutung und Unterdrückung hinter Gittern! (…) Auch die sozialpolitischen Gefangenen sind Opfer der Politik in diesem Land. Sie erhalten nicht nur Freiheitsstrafen für Bagatelldelikte, nein, es läuft derzeit auch eine reine Verfolgungspolitik gegen ausländische Mitbürger. (…) Auch hier in der Haft ist der Rassismus sehr gut zu spüren. Doch hier wird auch nichts getan, weiterhin werden Durchsagen, Hausordnung und Mitteilungen usw. auf deutsch gesprochen. Auch in der BRD werden Gefangene misshandelt, sie werden zu Opfern der Ärzte, die weiterhin ihr Unwesen treiben. Wir vom Knastschaden-Kollektiv kämpfen auch 2016 weiter gegen die »Einarztpolitik« hinter Gittern. (…)

André Borris Moussa Schmitz

Politische Abstinenz

Zu jW vom 11. März: »Und was machen wir?«

(…) Als Mitglied der Psychotherapeutenzunft schäme ich mich schon lange für deren scheinbare politische Abstinenz, die sich entweder damit begnügt, »Flickschuster« der Nation in entsprechenden Brennpunkten zu sein, oder sich für das System regelrecht prostituiert, angefangen vom Coaching für Werbung und Management bis hin zur Beratung für raffinierte Foltermethoden. Hinsichtlich letzterem gab es vor einigen Jahren einmal einen regelrechten Aufschrei eines Psychologenverbandes in den USA, während oder kurz nach Ende der zweiten Amtsperiode von George W. Bush, der Unterschriften für eine entsprechende Petition ans Weiße Haus sammelte. (…)

Josie Michel-Brüning, per E-Mail

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei ist nicht nur ein schmutziger Deal, sondern Menschenhandel im großen Stil.