Aus: Ausgabe vom 23.03.2016, Seite 11 / Feuilleton

Bertram, Andrei, Ganz

Jubel der Woche

Von Jegor Jublimov
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Auch ein Ereignis: Bruno Ganz als Almöhi, Heidis Opa

Nicht vielen ist der Name Axel Bertram ein Begriff, und doch hat jeder, der in der DDR aufwuchs, etwas von ihm Entworfenes gesehen, in der Hand gehalten oder daran geleckt. Der aus Dresden stammende Gebrauchsgrafiker hat beliebte Zeitschriften wie Sibylle, NBI oder Wochenpost gestaltet. Er hat das 20-Pfennig- und das 5-Mark-Stück entwickelt – auch Gedenkmünzen für Staats- und Bundesbank – und viele Briefmarkenserien, beispielsweise über Hühner, Puppen oder Verkehrsmittel. Seine Lehrer waren mit Klaus Wittkugel und Werner Klemke die größten ihrer Generation, und Bertram hat es ihnen nicht nur gleichgetan, sondern viel Eigenes in seine Arbeiten eingebracht. Von ihm stammen die Grafiken der Weltfestspiele von 1973 und neue Schrifttypen. Das Gesamtwerk des international anerkannten Künstlers, der am Sonnabend 80. Geburtstag feiert, wurde vor fünf Jahren in einem Buch des Leipziger Lehmstedt-Verlags gewürdigt.

Bei der DEFA entstanden viele Filme mit internationaler Besetzung. Im Sci-Fi-Drama »Im Staub der Sterne« (1976) überzeugte neben der Tschechin Jana Brejchova, dem Polen Leon Niemczyk und dem Jugoslawen Milan Beli die schöne Rumänin Violeta Andrei. Die Frau des einstigen rumänischen Spitzenpolitikers Stefan Andrei, die am Montag 75 Jahre alt wurde, war nicht nur in ihrer Heimat eine beliebte Schauspielerin, sondern arbeitete mehrfach auch bei der DEFA. An der Seite von Gojko Mitic spielte sie die Maruja in »Severino« (1978), und Maria hieß sie in einem Kassenschlager von 1981, »Sing, Cowboy, sing«. Da fiel sie am Schluss einer turbulenten Handlung Dean Reed in die Arme. Nach dem Umsturz von 1989 zog sie sich eine Zeitlang zurück, aber vor zehn Jahren kehrte sie ins rumänische Fernsehen zurück, in der Hauptrolle einer Serie.

Als Bruno Ganz und Otto Sander 1987 mit Curt Bois in Wenders’ »Der Himmel über Berlin« auftraten, kannten sie sich schon ganz gut. Über den jüdischen Emigranten Bois und den sozialdemokratischen Nazimitläufer Bernhard Minetti hatten sie 1983 den Film »Gedächtnis« gedreht. Für beide blieb diese Herzensangelegenheit die einzige Regiearbeit. Der Schweizer Bruno Ganz, der gestern 75 wurde, hat als Schauspieler bei Bühne und Film Außerordentliches geleistet, wurde dafür u. a. mit dem Iffland-Ring ausgezeichnet. Eine seiner besten Bühnenrollen kam auch auf die Leinwand: Peter Stein verfilmte 1975 seine Schaubühnen-Inszenierung von Gorkis »Sommergästen« mit Ganz als Schamilow. Schwer, aus seinen Rollen etwas herauszugreifen, denn er hat fast jede zu einem Ereignis gemacht. Die Ausnahme war sein Hitler in »Der Untergang« (2004).

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