Aus: Ausgabe vom 23.03.2016, Seite 2 / Inland

Koblenz: Amazon bestreikt

Erneute Arbeitsniederlegungen im Kampf um einen Tarifvertrag

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Im bereits drei Jahre währenden Konflikt zwischen der Gewerkschaft ver.di und dem US-Onlinehändler Amazon ist kein Ende in Sicht. Der US-Konzern lehnt einen Tarifvertrag weiter ab. Deshalb hat ver.di im Ostergeschäft erneut zu Streiks aufgerufen. Die Aktion am Standort Koblenz habe mit der Nachtschicht am Montag abend um 22 Uhr begonnen, teilte ver.di am Dienstag mit. Beendet werden solle sie mit Ende der Spätschicht am heutigen Mittwoch. »Es kann vor Ostern auch jederzeit kurzfristig an einem anderen Amazon-Standort zum Streik kommen. Wo und wann genau, lassen wir noch offen«, sagte ver.di-Sprecherin Eva Völpel am Dienstag. Bundesweit gibt es noch acht weitere Versandzentren des Onlinehändlers.

Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Marko Bärschneider beteiligten sich insgesamt rund 200 der etwa 1.500 Koblenzer Beschäftigten am Streik: »Das stört Amazon schon gewaltig. Hier ist eine super Stimmung.« Der Konzern solle den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel Rheinland-Pfalz anerkennen, forderte Bärschneider. Ohne erkennbare Bereitschaft zu Verhandlungen müsse das Unternehmen immer wieder mit Streiks rechnen. Die Kollegen kämpften weiterhin dafür, dass das Management »mit ihnen über gute Löhne, aber auch über gute Arbeitsbedingungen redet«.

Amazon-Sprecherin Anette Nachbar betonte unterdessen wie bei den vorangegangenen Streiks, man sehe »keinerlei Beeinträchtigung« der Geschäftsabläufe. In der Frühschicht hätten sich am Dienstag in Koblenz weniger als 60 Mitarbeiter am Ausstand beteiligt, sagte sie. Bei Bedarf würden auch andere Standorte bei der Abarbeitung von Bestellungen einspringen. Seit Frühjahr 2013 ruft ver.di immer wieder zu Arbeitsniederlegungen auf. Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag, und zwar nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Das würde für die Mitarbeiter mehr Sicherheit und höhere Löhne bedeuten. Das US-Unternehmen sieht sich als Logistiker und bezahlt in Anlehnung an die in dieser Branche üblichen, geringeren Löhne. Zugleich verweist es darauf, dass man sich in diesem Vergleichsrahmen am »oberen Ende« bewege. (dpa/jW)

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