Aus: Ausgabe vom 22.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Discokugel des Tages: Max Kruse

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Don’t mess with Bild. Diese Erfahrung machte zuletzt Fußballer Max Kruse. Er ist nur ein müder Abklatsch von George Best, dem trotz seines Wahlspruchs »Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst« eine große Karriere beschieden war. Doch ein Nationalmannschaftstrainer, der sich Jogi nennen lässt, möchte Spieler im Kader, die Tee trinken und Milch predigen. Kruse ist raus, denn er entspreche nicht der »Vorbildrolle«, meinte der Coach am Montag. Dabei ist Löw nicht klar, dass sein Schwäbeln und Nägelkauen für Außenstehende weitaus schwerer zu verdauen ist als ein Kicker, der einer Bild-Zuträgerin kurzzeitig das Handy entwendet.

Kruse hatte sich mit der Falschen angelegt. Denn eine Jessica Pillatzki ist nichts ohne mobiles Endgerät. Die Reporterin liebt Selfies: Glitzerkleidchen übergestreift, das dünne Beinchen ausgestellt, Mund zur Schnute gezogen, knipst sie ihr Spiegelbild und flutet damit das Netz. Am Wochenende wähnte sie bereits den »World Press Photo Award« in ihren Händen, als sie Kruse auf einer Tanzfläche erblickte. Der war von ihrer penetranten Knipserei nicht erpicht und löschte die Bits, was der Daumen hergab. Gleich nach dem Discotingel wird Pillatzki wohl verheult im Springer-Foyer aufgelaufen sein und »Kai hilf!« geschrien haben.

Sich George Best als Vorbild zu nehmen, widerspricht der hohen Moral deutscher Fußballrepräsentanten. So wird Kruse keinen Kick machen können. Zu einem Länderspiel 2013 empfing er »Damenbesuch« und flog hochkant. Dann versuchte er im Oktober, seine Kohle in einem Berliner Taxi loszuwerden, verlor ein Portemonnaie mit 75.000 Euro. Eine öffentliche Standpauke folgte. Und nun das Handygate. Kruse sollte Funktionäre schmieren, statt Scheine einfach so zu verprassen. (mme)

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