Aus: Ausgabe vom 21.03.2016, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Um welchen Preis?

Zu jW vom 14. März: »Altes Personal, neuer Versuch«

Ich hätte eigentlich einen inhaltsvolleren Bericht der jungen Welt vom Landesparteitag der Berliner Linken erwartet. Sicher hat die derzeitige Parteiführung ihren Kurs letztendlich durchgesetzt. Aber wie und um welchen Preis? Bei wesentlichen Abstimmungen zum Wahlprogramm und Kampfkandidaturen um Listenplätze, die letztendlich die Frage »Regierung oder Opposition« berührten, konnte sich die eine Seite nur knapp durchsetzen. Auch die Personalie der Antideutschen Anne Helm war nicht unumstritten und erhitzte die Gemüter der Delegierten. Beim Lesen des Berichtes hatte ich daher das Gefühl, auf einem anderen Parteitag gewesen zu sein.

Stephan Jegielka, per E-Mail

Handlungsfähiger Sozialstaat

Zu jW vom 2. März: »›Wer Reichtum nicht besteuert, schadet allen‹«

Unsere Gesellschaft sollte sich im klaren sein, dass sie einen handlungsfähigen Sozialstaat braucht. Demzufolge haben Bundestag und alle Landtage dafür Sorge zu tragen, dass die Städte und Gemeinden mehr Gelder für Schwimmbäder, Bibliotheken, öffentlichen Nahverkehr, Wohnungs- und Straßenbau usw. bekommen. (…) Ein handlungsfähiger Sozialstaat muss in erster Linie »seriös« finanziert werden. Bedingungslos gehören dazu die höhere Besteuerung von Vermögen, Erbschaften und Spitzenverdienern sowie größeren Unternehmen. Wer in den vergangenen Jahrzehnten ständig Steuer­erleichterungen für Reiche und Superreiche durchgesetzt hat, ist für das »bundesdeutsche Finanzchaos« verantwortlich. (…)

Klaus Jürgen Lewin, Bremen

Kein inhaltlicher Bezug

Zu jW vom 9. März: »Fragwürdige Personalie«

Mir ist in Hinblick auf diese Überschrift nach dem Lesen des Artikels nicht klar, inwiefern Daniel Schwerd eine »fragwürdige Personalie« für Die Linke darstellt. Das liegt daran, dass sich die geäußerte Kritik auf in Berlin zur Linkspartei übergetretene Ex-Piraten bezieht. Den einzigen inhaltlichen Bezug zu Schwerd nimmt der Artikel, indem er kurz die auf einer Pressekonferenz von ihm geäußerte Begründung zitiert, auf die allerdings nicht weiter eingegangen wird. Kritik an möglichen fragwürdigen politischen Positionen: Fehlanzeige. Und die Kritik an den Berliner Ex-Piraten wurde in dieser Zeitung bereits am 23./24. Januar (»Klarmachen im Trockendock«) geäußert. (…) Die junge Welt ist eine Zeitung, die sonst mit Hintergrundberichten und Analyse punktet, und es wäre wünschenswert, wenn das beibehalten wird. (…)

Sandra Beier, per E-Mail

Flucht unmöglich

Zu jW vom 11. März: »Maulkorb für Beschäftigte«

Grotesk und in Perversion bald nicht mehr zu überbieten, was da im Märzgrün den Tag ergrauen lässt. Fehlt nur noch der unentgeltliche Pflichtdienst für Junge wie für zur Zwangsarbeit verurteilte Vorrentner unter der alternativen großen Koalition von Merkels, Seehofers und Gabriels sowie Petrys Gnaden. Apropos SPD – sozialdemagogische Pharisäer –, Nahles bewirkt für Frühling und Sommer nur Kahles. Da hilft nur noch die Widerstandseinheitsfront auf der Straße mit den Flüchtlingen. Jene flohen vor der Apokalypse in der Heimat und finden die Apokalypse des Teile und Herrsche in der Ausbeutung, vor der zu fliehen auch den deutschen Werktätigen nicht hilft, weil Anfang und Ende zusammenfallen, denn die Erde ist rund.

E. Rasmus, per E-Mail

Das Erbe des Nationalstaats

Zu jW vom 10. März: »Wider den Wirtschaftsfeudalismus«

Der Nationalstaat sei in der Krise, hört man jetzt gelegentlich. Ist er nicht sogar überholt und darüber hinaus in hohem Maße gefährlich, weil er ein Jahrtausende altes Erbe mit sich herumschleppt, das uns immer wieder in die traditionelle Macht-, Gewalt- und Kriegspolitik zurückwirft? Und zwar weil unsere modernen politischen Klassen sich an ihren Vorgängern aus dunklen Zeiten orientieren und offenbar vor allem auch gerne weiter beim traditionellen »Sport der Könige« (Krieg) mitmischen wollen? (…)

Ludwig Schönenbach, per E-Mail

Verbrechen als Leitlinie

Zu jW vom 11. März: »›Das war der Türöffnerkrieg‹«

Das Verbrechen der westlichen NATO-Allianz, der Angriffskrieg gegen Jugoslawien, wurde mit den Bombardements im Jahr 1999 nicht beendet. Dieses dauert unvermindert an, nur mit anderen Mitteln. Einmal begonnen als Paarung zwischen dem deutsch-österreichischen Revanchismus für den erbitterten serbischen Widerstand im Ersten und Zweiten Weltkrieg auf der einen Seite und den neuen geopolitischen Aspirationen der restlichen NATO-Länder auf der anderen Seite, ist dieses mehrfache Verbrechen heute eine Leitlinie für die NATO-Strategie seit 1999 im östlichen Europa, im Mittleren Osten und in Nordafrika. Damit diese Strategie noch lange Erfolg hat, hat man ein Land, insbesondere Serbien, materiell und wirtschaftlich zerstört, seine politische Führung dämonisiert und mundtot gemacht, sein historisches und kulturelles Erbe am Kosovo enteignet und der Vernichtung durch Terror vor Ort überlassen sowie die betroffene Bevölkerung ins Elend und in Hoffnungslosigkeit gestürzt.

Das Schlimmste dabei ist, dass man über diesen Terror auch heute nicht reden darf und dass jede Aufklärung darüber, geschweige denn Aufarbeitung, auch für die linken Parteien ein absolutes Tabu ist. (…)

P. Götz, per E-Mail

Wer in den vergangenen Jahrzehnten ständig Steuererleichterungen für Reiche und Superreiche durchgesetzt hat, ist für das »bundesdeutsche Finanzchaos« verantwortlich.