Aus: Ausgabe vom 18.03.2016, Seite 16 / Sport

Sieg des Datenkraken

Eine Software besiegte den Go-Weltmeister Lee Sedol im Brettspielduell

Von Michael Streitberg
RTSAHKX.jpg

Am Ende stand es vier zu eins: Lee Sedol, Weltmeister im Brettspiel Go, musste sich am Dienstag in Südkoreas Hauptstadt Seoul der vom Google-Tochterunternehmen DeepMind entwickelten Software Alpha Go geschlagen geben. Der Mensch und die Maschine absolvierten insgesamt fünf über mehrere Tage verteilte Partien des einfach zu erlernenden Strategiespiels, das in seiner Komplexität jedoch selbst das Schach übertrifft.

Beim Go treten zwei Spieler gegeneinander an. Die schwarzen und weißen Steine werden auf dem in Quadrate unterteilten Spielfeld zugweise verschoben. 19 horizontale und 19 vertikale, einander kreuzende Linien ergeben insgesamt 361 Schnittpunkte, auf die die Steine gesetzt werden können. Ziel ist es, möglichst viele Steine des Gegners einzukreisen. Gelingt dies, bringt man diese in seinen Besitz. Im übertragenen Sinne agieren die Spieler dabei als Generäle verfeindeter Armeen. Gewonnen hat am Ende derjenige, der die meisten gegnerischen »Soldaten« gefangengenommen und die meisten Gebiete »eingekreist« hat. Das Spiel wurde zwischen dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeit und dem 1. Jahrhundert in China erfunden. Heute hat es weltweit zwischen 40 und 60 Millionen Anhänger.

Im Schach hatte bereits 1997 ein Computer das Duell gegen einen Weltmeister für sich entschieden: Der von IBM entwickelte Rechner Deep Blue schlug den damaligen Weltmeister Garri Kasparow. Viele Experten hatten – aufgrund der nahezu unendlichen Zahl der im Go möglichen Spielzüge – lange an der Fähigkeit künstlicher Intelligenzen, auch dieses Spiel wirklich zu meistern, gezweifelt. Die Datenweltmacht Google, beziehungsweise ihr Tochterunternehmen, haben nun den Gegenbeweis angetreten.

Wie das Technikmagazin Wired am 9. März in seiner Onlineausgabe berichtete, orientierten sich die Forscher bei der jahrelangen Entwicklung ihres Programms am Aufbau des menschlichen Gehirns und seinen Synapsen. Bevor sie ihm Go »beibrachten«, ließen sie es erst einmal alte Atari-Videospiele aus den späten 1970er Jahren spielen – so etwa »Breakout«, bei dem mit Hilfe eines Balls und eines Schlägers Pixelblöcke zerstört werden müssen.

Mit dem Sieg im Go geben sie sich nicht zufrieden: Demis Hassabis, CEO von DeepMind, äußerte gegenüber Wired die Hoffnung, dass künstliche Intelligenzen in zehn bis 15 Jahren auch als selbständige Wissenschaftler arbeiten könnten.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Sport