Aus: Ausgabe vom 17.03.2016, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Im Visier der Profikläger

In Auftrag geschädigter Kunden? US-Anwalt erhöht Druck auf VW-Konzern

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Hier kommt die Gerechtigkeit: US-Anwalt Michael Hausfeld (M.) mit Kollegen in Minneapolis 2011

Der in der US-Klageindustrie wohlbekannte Anwalt Michael Hausfeld hat sich jetzt die Volkswagen AG vorgeknöpft. Das steigert den hohen Druck, der nach der aufgeflogenen Manipula­tion der Abgaswerte von Dieselfahrzeugen ohnehin auf dem Konzern lastet. In einem Brief an die Unternehmensführung fordert Hausfeld den Autobauer auf, »alle Fakten« in der Dieselaffäre auf den Tisch zu legen. Bislang sei dies nicht erfolgt. Der Anwalt pocht auf Entschädigungen für deutsche VW-Kunden.

In dem Brief bittet der Anwalt zudem um ein Treffen mit VW-Chef Matthias Müller innerhalb der kommenden zwei Wochen. Damit könne ein Austausch zwischen den Kunden in Deutschland und Europa und VW angeschoben werden, heißt es weiter in dem Brief.

Dem Schreiben angehängt sind zwei Studien, die sich mit den Folgen des Abgasskandals beschäftigen. So werden alleine die Schäden für die Bevölkerung durch die höhere Abgasbelastung in den Jahren von 2009 bis 2015 auf 58 bis 158 Millionen Euro beziffert. Zusatzkosten aufgrund höherer Verbrauchswerte, die auf die VW-Fahrer nach der Umrüstung ihrer Fahrzeuge zukommen könnten, schätzen Gutachter auf bis zu 196 Millionen Euro. Da die Dieselmotoren nach der Umrüstung vermutlich auch weniger Leistung hätten, entstehe ein zusätzlicher wirtschaftlicher Schaden von knapp 530 Millionen Euro. Insgesamt muss sich der Wolfsburger Autobauer damit auf Forderungen in Milliardenhöhe einstellen. Hausfeld ist bereits federführend an Sammelklagen gegen VW in den USA beteiligt und hat seit kurzem auch ein Büro in Deutschland.

Erst am Montag hatten über 200 Investoren am Landgericht Braunschweig Klage gegen VW eingereicht. Sie fordern insgesamt mehr als 3,2 Milliarden Euro vom Autobauer, weil dieser unterschiedliche kapitalmarktrechtliche Pflichten im Zuge der Abgasaffäre verletzt habe. Volkswagen weist dies zurück. (AFP/jW)

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