Aus: Ausgabe vom 16.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Abstinenzler des Tages: Die Jugend

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Helle Aufregung in der jungen Welt. Zur Mittagszeit richten sich alle Blicke auf die jüngeren Kollegen. Verunsicherte Fragen. Ist von der heutigen Jugend nichts mehr zu erwarten? Droht der nächsten Generation das Schicksal »ohne Kraft, nur noch Saft«?

Am Dienstag meldete sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Wort. Deren Erkenntnis: Die Jugend raucht und trinkt weniger als noch vor ein paar Jahren. Die Zahl der elf- bis 15jährigen, die jede Woche Tabak oder Alkohol konsumieren, habe sich im vergangenen Jahrzehnt fast halbiert. Das zeige eine WHO-Studie, für die 220.000 Jugendliche aus 42 Ländern befragt worden waren. Besonders erschreckend: Fast nirgends gehen die Elfjährigen lieber zur Schule als in Deutschland, mehr als die Hälfte von ihnen mag die Bildungshäuser sehr.

Und ja, da muss auch dieser Schreiber – der allerdings nicht mehr elf, sondern schon 26 Jahre alt ist – zustimmen. Schule war schon toll. Zu keiner Zeit konnte man dem ungehemmten Computerspielen so fröhnen wie damals. Vor der Schule, nach der Schule und, Informatikunterricht vorausgesetzt, auch während der Schule – immer ab an den PC. Und tatsächlich: Alkohol braucht man da nicht, eher Koffein für lange Nächte. Vielleicht sollte die WHO einmal den Absatz von Energydrinks bei Pubertierenden messen?

Doch auch da wächst man raus, irgendwann ist’s mit der Schule aus. Wie verantwortungsvoll die deutsche Jugend dann mit Getränken umgeht, bewiesen in der Nacht zum Montag Abiturienten in Köln. Zum Schulabgang gab es gleich zwei Verletzte, nachdem verschiedene Gruppen aneinandergeraten waren. Eier, Wasserbomben, Farbbeutel sollen da geflogen sein. Und schon einen Tag zuvor hatten Hunderte Abiturienten in der Stadt insgesamt 15 Polizeieinsätze ausgelöst. Zuvor dürfte nicht nur Kiba gebechert worden sein. Verloren ist die hiesige Jugend also noch nicht. (jos)

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