Aus: Ausgabe vom 15.03.2016, Seite 16 / Sport

Im großen Stil

Always look on the Eastside of life: Berliner Tischtennisdamen bleiben ungeschlagen

Von Klaus Weise
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Ausnahmekönnerin Xiaona Shan, 18. in der Weltrangliste

Die Tischtennisdamen vom TTC Berlin Eastside schicken sich an, ihre Titelsammlung zu vergrößern. 2002, 2004 und 2007 beschieden sie sich mit dem Gewinn des ETTU-Pokals, eines nachgeordneten internationalen Wettbewerbs, vergleichbar mit der Fußball-Europa-League. Seit 2012 ist nun Trophäensammeln im großen Stil angesagt. Eastside holte zweimal die Champions League (2012, 2014), wurde zweimal Deutscher Meister (2014, 2015) und erschmetterte sich dreimal hintereinander den nationalen Pokal (2014–2016). Macht alles in allem zehn Einträge im Briefkopf, der freilich bald schon wieder erweitert werden muss. Denn nach dem Pokalsieg zu Beginn des Jahres stehen mit Champions League und Meisterschaft zwei weitere Triumphe in Aussicht. In beiden Wettbewerben ist der TTC seit dem Wochenende klarer Favorit. Das konnte mit Auftritten gegen die vermeintlich stärksten verbliebenen Kontrahenten eindrucksvoll unterstrichen werden.

Am Freitag abend kreuzten Petrissa Solja (Weltranglisten-13.), Xiaona Shan (18.), beide deutsche Nationalspielerinnen, und Ungarns Beste in Eastsides Diensten, Georgina Póta (37.) die Schläger mit Österreichs Topteam Linz AG Froschberg, das den Königswettbewerb der Vereine auch schon zweimal gewonnen hat, 2009 und 2013. Vor drei Jahren stand Solja dabei noch für die Rot-Weiß-Roten an der Platte, ein Jahr später wechselte sie nach Berlin. Dass ausgerechnet sie am Freitag ihr Match nicht gewinnen konnte, war die größte Überraschung des Abends. Ihre Gegnerin Iveta Vacenovská ist im Weltranking weit hinter ihr notiert (65.) und hat nie zuvor ein Match gegen Solja für sich entscheiden können. Deren Patzer machten die beiden anderen im Eastside-Team wett. Shan gewann beide Einzel, Póta zumindest eins von zweien. So kam es zum 3:2-Auswärtssieg. Das Rückspiel um den Finaleinzug wird am 1. April im Marzahner Freizeitforum ausgetragen.

Wie ausgeglichen die Chose in Linz war, macht das knappe Satzverhältnis von 10:9 zugunsten von Eastside deutlich, in den Einzelpunkten lagen die Gastgeberinnen gar mit 175:170 vorn. Wollen die Berlinerinnen sich nicht auf Rechenkunststücke verlegen, sind sie im Heimspiel zum Siegen verdammt.

Der Champions-League-Modus bringt es mit sich, dass ein Team mit einer Ausnahmespielerin weit kommen kann. Aus dem Dreieraufgebot bestreiten die Nummern eins und zwei jeweils zwei Begegnungen, die Nummer drei – wie Solja in Linz für Eastside – nur eine. Gewinnt die Ausnahmekönnerin zwei Siegpunkte, fehlt dem Team nur noch ein Zähler zum Erfolg. Bis dato trumpfte Eastside stets mit beidem auf, mit Topathletinnen und einer sonst unerreichten Ausgeglichenheit. Diesem Umstand verdankt der Verein eine Weste, die weißer kaum sein könnte: In der laufenden Saison ist er in allen drei Wettbewerben (Pokal, Meisterschaft, Champions League) noch ungeschlagen. Und dabei blieb es auch am Sonntag beim Bundesligagipfel gegen den einzigen ernsthaften Verfolger DJK Kolbermoor.

Trotz mit der Champions League verbundener Reisestrapazen gewannen die Berlinerinnen daheim mit 6:4 und liegen in der Liga nun vier Zähler vor den Bayerinnen. Zwar stehen noch fünf Spieltage aus, aber gegen die Kontrahenten grenzten Punktverluste schon an mittelschwere Wunder. Die Erweiterung des Briefkopfes darf in der Hauptstadt also schon mal in Angriff genommen werden.

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