Aus: Ausgabe vom 10.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Antifaschisten des Tages: Spaniens Polizei

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Rechtsextreme Tendenzen bei der Polizei? Ach was, das gibt es nicht! Niemals! Nirgendwo! Zumindest nicht in Europa! Jedenfalls nicht in der EU! Sonst würde Brüssel ja Sanktionen verhängen und Menschenrechte anmahnen – so wie etwa 2000, als die Bildung einer Koalition von ÖVP und FPÖ in Österreich zu Strafmaßnahmen gegen Wien führte. Und Spanien ist ja sowieso ein Musterstaat freiheitlicher Demokratie. Gut, da gibt es noch ein paar Denkmäler, mit denen der Franco-Faschismus verherrlicht wird, und die einst von Kadern der Diktatur gegründete Volkspartei PP regiert das Land.

Aber immerhin geht die spanische Polizei ja konsequent gegen Neonazis und deren Treiben vor. In dieser Woche präsentierte sie stolz per Video und Fotobeweis die Festnahme von 16 Hooligans der Gruppe »Skins Retiro«, denen unter anderem Körperverletzung, Raubüberfälle und die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt werden. Auf der Homepage der Polizei sind Aufnahmen der sichergestellten Sachen abrufbar: Schlagstöcke, Messer, Fahnen, Aufkleber, Tücher mit Neonazisymbolen wie dem Keltenkreuz.

Der Tisch mit den Beweismitteln wurde offenkundig in einer Polizeiwache der spanischen Hauptstadt Madrid aufgestellt, direkt vor den blauen Kleiderschränken der Beamten. Dumm nur, wenn man dann nicht aufpasst, was an denen so klebt. Das Katzenfoto links und ein Bild von Fußballern auf der rechten Seite stören nicht, auch nicht der etwas überraschende Sticker des Gewerkschaftsbundes UGT. Aber unten links ist an einem Schrank deutlich ein Aufkleber mit dem Keltenkreuz zu sehen.

Im Internet macht sich seither der Spott breit. »Liebe Polizei, bitte achtet künftig darauf, eure eigenen Naziaufkleber von den Schränken zu entfernen«, heißt es etwa auf Twitter. Den Beamten hat es die Sprache verschlagen: Eine Stellungnahme gab es bislang nicht. (scha)

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