Aus: Ausgabe vom 10.03.2016, Seite 5 / Inland

Metalltarifrunde ergebnislos vertagt

Industrieverband blieb Angebot schuldig. Gewerkschaft verlangt ernsthafte Verhandlungen

Von Claudia Wrobel
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Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie unterstrichen in Hannover ihre Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn

Die Verhandlungspartner in der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie haben ihre Gespräche am Mittwoch in Hannover nach wenigen Stunden vertagt. Diese stellen den bundesweiten Verhandlungsauftakt dar. Der Industrieverband Niedersachsen-Metall hat noch nicht einmal ein Angebot für die nach eigenen Angaben rund 110.000 Beschäftigten vorgelegt. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn.

Dieses Anliegen sei nach Angaben von Hartmut Meine, Bezirksleiter sowie IG-Metall-Verhandlungsführer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, vollkommen berechtigt. »Die Arbeitgeber haben heute erneut die wirtschaftliche Situation in einer unverantwortlichen Weise schlechtgeredet«, so Meine. Die Gewerkschaft stützt sich bei ihrer Forderung, die bundesweit in allen Tarifbezirken erhoben wird, auf die konjunkturellen Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute. Diese gehen nach Angaben der IG Metall von einem Wachstum um 1,8 Prozent aus.

Der Industrieverband wiederum behauptet, die Gewerkschaft begründe ihre Forderung nicht und verweist auf die angeblich »schwierige Lage« der Konzerne. »Die IG Metall in Niedersachsen scheint auch nicht ansatzweise bereit, die Absatzprobleme vieler unserer Betriebe zur Kenntnis zu nehmen«, so Volker Schmidt, Mitglied der Tarifkommission und Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall.

Dabei hat die Industriegewerkschaft ihre Hausaufgaben gemacht. Am vergangenen Donnerstag berichtete sie über eine Kurzumfrage unter den Betriebsräten der 16 größten Automobilzulieferer in Niedersachsen und den IG-Metall-Geschäftsführern. Demnach ist die Auftragslage stabil. In einigen Betrieben gebe es sogar Sonderschichten und Mehrarbeit an Sonn- und Feiertagen. Selbst die ungeklärte Situation bei Volkswagen wirke sich nicht auf die Zulieferer aus. »Einige Verbandsvertreter der Arbeitgeberseite malen ein Krisenszenario an die Wand, welches jeglicher Grundlage entbehrt«, so Meine. Er forderte die Gegenseite auf, zügig in ernsthafte Verhandlungen einzutreten und im Rahmen des nächsten Treffens am 13. April ein Angebot vorzulegen.

In der Öffentlichkeit zeichnet sich noch kein solches Angebot ab. Statt dessen droht der Industrieverband relativ unverhohlen damit, ein weiteres Anliegen der IG Metall zu torpedieren, wenn diese bei ihrer Forderung bleibt. Wem es ernst sei mit einer Erhöhung der Tarifbindung, dem müsse »an einem vernünftigen Abschluss gelegen sein, der keine abschreckende Wirkung hat, sondern der den Flächentarif wieder interessanter für die Unternehmen macht«, so Schmidt

In den kommenden Tagen beginnen die Tarifgespräche in der Branche in weiteren Regionen. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende März aus. Die Friedenspflicht gilt noch bis Ende April. Ab dann sind Warnstreiks möglich.

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Lohndumping Die Arbeitskosten und die Konkurrenz

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