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Traditionen der Lincolns

Der Kommunist und Spanienkämpfer Delmer Berg ist am 28. Februar im Alter von 100 Jahren in seinem selbstgebauten Haus am Rand der Sierra Nevada (Kalifornien) gestorben. Im vergangenen Jahr schrieb er im New York Times Magazine über seine Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg, er gab Interviews für El Diario und El País. Der Veteran der Abraham-Lincoln-Brigade war der letzte bekannte Überlebende von etwa 3.000 US-Amerikanern, die gegen den Francofaschismus gekämpft hatten. Als Sohn verarmter Bauern war Berg im Winter 1938 per Schiff von New York nach Frankreich gefahren, um durch die Pyrenäen zur Front zu wandern – wie viele Freiwillige vor ihm. Er diente bei der Feld- und bei der Flakartillerie, legte während der Schlacht am Ebro Kommunikationsleitungen von der republikanischen Zentrale an die Front. In Valencia wurde seine Einheit in ihrer Unterkunft, einem Kloster, von Flugzeugen der Faschisten bombardiert. Delmar Berg blieb davon zeitlebens ein Schrapnellsplitter in der Leber. Nach der Rückkehr aus Spanien engagierte er sich in einer Landarbeitergewerkschaft, für die Rechte von Afroamerikanern und mexikanischen Einwanderern, gegen den Vietnamkrieg. »Politisch aktiv zu sein, hält mich am Leben«, sagte er 2014. »Es erfüllt mein Leben. Ich fühle keinen Niedergang.« Die Sache, für die Berg kämpfte, sei »so lebendig wie immer«, erklärte der Verein »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939« in einem Kondolenzschreiben. Gegen die Reaktion, die auf beiden Seiten des Atlantiks auf dem Vormarsch scheine, müsse erinnert werden an »die Traditionen der ›Lincolns‹, der ›Thälmanns‹ und all der anderen, die Seite an Seite kämpften, am Jarama, in Brunete, Belchite, Teruel, Guadalajara, entlang des Ebro und an vielen anderen Fronten«. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.03.2016, Seite 10, Feuilleton

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