Aus: Ausgabe vom 05.03.2016, Seite 1 / Inland

Neonaziterrorzelle in Nauen aufgeflogen

Brandanschläge, Hassattacken, Anleitung zum Bombenbau: NPD-Politiker als Hauptverdächtiger

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Die ausgebrannte Sporthalle in Nauen am 25. August 2015. Dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, war schnell klar

Nach dem Brand in einer als Flüchtlingsunterkunft geplanten Turnhalle im brandenburgischen Nauen steht unter anderem ein NPD-Funktionär unter Verdacht, dafür verantwortlich zu sein. Der Mann soll an dem Anschlag Ende August beteiligt gewesen sein, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Potsdam mitteilten. Der NPD-Stadtverordnete Maik Schneider sei der Kopf einer Gruppe von etwa einem halben Dutzend Verdächtigen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen, aber nicht einer terroristischen Vereinigung. Das sei die alleinige Entscheidung der Staatsanwaltschaft, sagten Ermittler gegenüber der Zeitung Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN). Es handele sich um eine aktive Zelle, die Serie von Anschlägen könne durchaus als terroristisch eingestuft werden. Auch die Staatsanwaltschaft schließe nicht aus, dass im Laufe des Verfahrens der Fall als Terrorermittlung geführt werde, schrieb PNN am Freitag auf ihrer Website weiter.

Es geht um mehrere Straftaten. In der Sporthalle eines Oberstufenzentrums sollten 100 Asylbewerber vorübergehend unterkommen. Kurz bevor die ersten einziehen konnten, ging die geplante Notunterkunft in Flammen auf. Es war schnell klar, dass es sich um Brandstiftung handelte. Auch ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde gleich vermutet. Weiterhin werden der Terrorzelle Brandanschläge auf Autos, Attacken auf ein Parteibüro der Linkspartei und die Verbreitung von Anleitungen zum Bombenbau zur Last gelegt. Schneider gilt darüber hinaus als Drahtzieher hinter rassistischen Aufmärschen in der Region. So hat er laut PNN einen fremdenfeindlichen Aufzug im November 2015 in Jüterbog angemeldet. Danach sei der Flüchtlingstreff der evangelischen Kirche in der Kleinstadt durch eine Explosion zerstört worden. Bei Durchsuchungen in Nauen, Potsdam und Schönwalde-Glien waren am Dienstag unter anderem Laptops, Handys, Videokameras sowie Tonträger mit rechtsextremer Musik und mehrere tausend Euro Bargeld beschlagnahmt worden. (AFP/dpa/jW)

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