Aus: Ausgabe vom 04.03.2016, Seite 16 / Sport

Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Von Klaus Bittermann
SV_Darmstadt_98_Boru_48495037.jpg
Tja, die Lilien. Etwas außer Atem auf ihrem Acker

Kagawa, Mchitarjan, Reus, Sahin, Piszczek, Schmelzer, Bender, um nur mal ein paar Namen zu nennen, saßen auf der Bank oder waren gleich zu Hause geblieben. Dafür liefen im Böllenfalltor-Stadion Spieler auf wie Passlack und Ramos. Dortmunds Trainer Tuchel war also kräftig rotiert, aber diejenigen, die auf dem Darmstädter Acker spielen mussten, waren nicht unbedingt zweite Wahl, sie konnten beweisen, dass sie zu Recht aufgestellt worden waren. Niemand wollte natürlich einer Elf angehören, die es dann ausgerechnet gegen Darmstadt vergeigt, denn die Lilien gewinnen nur ganz selten zu Hause und holen ihre Punkte lieber auswärts, wie in der Hinrunde u. a. in Dortmund.

Es entwickelte sich das zähe Spiel, das man erwarten konnte, denn Darmstadt hatte einen Sechser-Abwehrriegel installiert und alle Löcher zubetoniert. Und deshalb spielten die Dortmunder wie im Handball um die Abwehr herum, weshalb es kein Zufall ist, dass Weigl mit 134 Ballkontakten an der Spitze stand, denn er verteilte die Bälle von links nach rechts und wieder zurück. Es war also zäh und unattraktiv, aber zur Pause stand es 1:0 durch Ramos, der ein Tohuwabohu im Strafraum ausnutzte und am schnellsten reagierte.

Erst nach dem 2:0 durch Durm, der einen genial durchgesteckten Ball von dem im übrigen schwach spielenden Castro verwerten konnte, machte Darmstadt mehr und hatte tatsächlich sogar eine Riesenchance auf den Anschlusstreffer. Aber die Bemühungen waren übersichtlich und als in der 86. Minute ein Raunen durch die Respect-Bar ging, hatte das nichts mit Dortmund zu tun, sondern mit dem 2:1-Siegtreffer von Cordoba in München. Und plötzlich flirrten in der rauchgeschwängerten Bar in Berlin-Kreuzberg eine Menge Spekulationen und Hoffnungen, denn nun hatte sich der Abstand zwischen den Bayern und dem BVB auf fünf Punkte verkürzt, und wenn am Samstag im Spitzenspiel im Westfalenstadion die Dortmunder die Nase vorn haben würden, wären es plötzlich nur noch zwei Punkte, und auf einmal würde der Kampf um die Meisterschaft wieder spannend werden.

Wunschdenken geht so. Realistisch ist es nicht. Auch wenn die Dortmunder die besten Zweitplazierten sind, die es jemals gab, so auch nur deshalb, weil die Mannschaften, die sonst noch um die internationalen Plätze kämpfen, so schlecht und so schwankend in ihren Leistungen sind. Hertha hat in den letzten Spielen fast immer nur Remis gespielt, ist aber mit einem Sieg gegen die abstiegsbedrohten Frankfurter plötzlich wieder mit einem Drei-Punkte-Vorsprung Dritter. Bei Mönchengladbach ist gerade der Knoten geplatzt. Gleich mit 4:0 besiegten sie die Stuttgarter, die nach ihrer Siegesserie nun wieder eine kleine Niederlagenserie produzieren. Mainz hat seinen guten Lauf in München gekrönt, und auch Schalke scheint seinen Negativtrend leider gestoppt zu haben, wenngleich der HSV nicht gerade ein großartiger Test gewesen ist und es den Schalkern nach der roten Karte gegen Djourou auch nicht wirklich schwer gemacht wurde.

Im Verfolgerfeld geht es also munter drunter und drüber. Die Wolfsburger durften sich am Tabellenletzten Hannover wieder aufrichten, nachdem sie nur miese Spiele abgeliefert hatten. Und Leverkusen verlor jetzt sogar zu Hause gegen den Abstiegskandidaten Bremen mit einem sensationellen 1:4 und brachte dabei das Kunststück fertig, kein einziges Tor zu schießen, denn das übernahm Djilobodji mit einem wunderschönen Kopfballtor.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Sport
  • In Rom fällt das Mailänder Lokalderby aus: Das war das Halbfinale bei der Coppa Italia
    André Dahlmeyer