Aus: Ausgabe vom 04.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Konfettitester des Tages: Berliner Polizei

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Der Etat der Senatsverwaltung für Inneres und Sport des Landes Berlin hat im laufenden Jahr ein Volumen von 2,076 Milliarden Euro. Darin enthalten ist ein »Sicherheitspaket« für die Polizei im Umfang von 16,5 Millionen Euro. Das Geld ist unter anderem vorgesehen für eine moderne Ausstattung. Durch den Konsum von US-Serien wie »CSI« ist der gewöhnliche Bürger verwöhnt. Mit gesundem Menschenverstand zur Lageeinschätzung kann man ihm nicht mehr kommen, aufwendige kriminaltechnische Untersuchungen müssen her.

Einen Aufklärungscoup konnten die Beamten am Donnerstag präsentieren. Wie das Boulevardblatt B. Z. berichtete, wurde ermittelt, dass linke Demonstranten Anfang Februar in Berlin-Friedrichshain Konfetti geworfen haben – ganz normale Papierschnipsel. Der Protest war eine Reaktion auf Polizeirepression gegen ein Hausprojekt in der Rigaer Straße. Das beliebte Partyzubehör, das gemeinhin mit Freude und guter Laune verbunden ist, war für die Beamten offenbar so fremd, dass sie behaupteten, das Papier sei mit ätzenden Substanzen behandelt worden. Angeführter Beweis: Die Stellen, an denen es die Uniformen berührte, sollen Farbveränderungen aufgewiesen haben. Die Ermittlungen sollen wegen »schwerer Körperverletzung« gelaufen sein, wie die Berliner Morgenpost berichtete.

Verletzt wurde niemand. Aber bei der Polizei wunderte man sich augenscheinlich nicht darüber, dass angeblich ätzende Substanzen auf der Haut eingesetzter Beamter und Umstehender keine Reaktion hervorriefen, aber dafür den robusten Stoff der Uniformen angriffen. Mit etwas mehr Lebensnähe ließe sich ja nicht begründen, warum das Viertel zum »Gefahrengebiet« erklärt wurde, wodurch Grundrechte rund um das Hausprojekt außer Kraft gesetzt werden. Hoffen wir, die Polizei wird auf der nächsten Demo nicht mit Luftschlangen begrüßt. Sonst muss der Etat fürs kommende Jahr noch mal raufgesetzt werden. (cwr)

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