UNASUR-Gipfeltreffen soll Ausweg aus der Krise in Südamerika finden
Von André Scheer
Im Grenzgebiet zu Kolumbien ist es der venezolanischen
Kriminalpolizei gelungen, die Kommandeurin einer
paramilitärischen Gruppierung und mehrere ihrer Gefolgsleute
zu verhaften. Wie der zuständige Kommissar Jhonny Marques am
Dienstag abend (Ortszeit) erklärte, wird Sandra Patricia
Barrero unter anderem die Ermordung des Bürgermeisters von
Coloncito, Giovani Álvarez, im vergangenen September zur
Last gelegt. Ebenfalls am Dienstag wurde auch die Kolumbianerin
Gloria Amparo festgenommen, die der im Drogenschmuggel aktiven
Bande »Los Indios« angehören soll. Amparo wird von
der niederländischen Justiz gesucht, weil sie für den
Schmuggel von Rauschgift aus Kolumbien über Venezuela und die
niederländische Kolonie Aruba nach Europa verantwortlich
gewesen sein soll. Mit ihrer Festnahme steigt die Zahl der seit
Jahresbeginn in Venezuela verhafteten ausländischen
»Paten« auf 13, die meisten von ihnen stammen
Polizeiangaben zufolge aus Kolumbien.
In seiner Erklärung zur Verhaftung Amparos hebt das
Innenministerium in Caracas hervor, der Kampf Venezuelas gegen die
Drogenmafia solle »der internationalen Gemeinschaft und
speziell jenen Ländern als Beispiel dienen, die den
höchsten Anteil an der Produktion und dem Konsum der Drogen
weltweit haben und dadurch den Frieden in der Region
gefährden.« Gemeint sind damit in erster Linie die
kolumbianische Regierung sowie die USA, die als Schutzmacht des
Regimes in Bogotá gelten.
Ein außerordentliches Gipfeltreffen der Außenminister
aller Mitgliedsstaaten der Union Südamerikanischer Nationen
(UNASUR) will am heutigen Donnerstag in Quito nach Auswegen aus der
Krise suchen, die durch die Vorwürfe aus Bogotá
ausgelöst wurden, wonach Venezuela kolumbianischen Guerilleros
Zuflucht gewähre. Caracas will bei der Konferenz einen
Friedensplan vorlegen, der nicht nur dazu dienen soll, die akute
Zuspitzung zu beenden, sondern das Problem grundsätzlich zu
lösen, indem der Bürgerkrieg im Nachbarland beendet wird.
»Gerade in den letzten Jahren war Venezuela verschiedenen
Angriffen ausgesetzt, obwohl es sich um einen Krieg handelt, der
kolumbianischen Ursprungs ist. Seine einzige Lösung kann nicht
nur sein, die regelmäßig auftauchenden Probleme zu
überwinden. Diese Frage muß grundsätzlich
angegangen werden«, sagte Venezuelas Außenminister
Nicolás Maduro dem staatlichen Fernsehsender VTV. Diese
Vorschläge seien von den südamerikanischen Regierung
»außerordentlich« positiv aufgenommen worden,
erklärte Maduro, der in den vergangenen Tagen eine Rundreise
durch sieben Staaten der Region unternommen hatte.
Bogotá hingegen hat die venezolanischen Vorschläge
bereits zurückgewiesen, obwohl Details noch gar nicht bekannt
sind. Der scheidende Präsident Álvaro Uribe nannte die
Initiative aus Caracas eine »Falle« und erklärte:
»Wenn sie in Venezuela einen Friedensplan haben wollen, hier
ist er: Sie müssen der Guerilla, die dort ist, sagen,
daß sie sich demobilisieren soll, und dann die
kolumbianischen Staatsanwälte ins Land lassen, um die
Guerilleros mit allen gesetzlichen Garantien hierher zu
holen.« Sein Außenminister Jaime Bermúdez warf
Venezuela vor, sich in die inneren Angelegenheiten Kolumbiens
einzumischen.
Bogotá hatte in der vergangenen Woche bei einer eilig
einberufenen Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) dem Nachbarland vorgeworfen, führenden Mitgliedern der
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und der
Nationalen Befreiungsarmee (ELN) Unterschlupf zu gewähren.
Kolumbiens OAS-Botschafter Luis Alfonso Hoyos legte dazu in
Washington Fotos und andere Dokumente vor, die als Beweise für
die Existenz von Guerillalagern in Venezuela dienen sollten.
Caracas’ Vertreter Roy Chaderton wies diese jedoch
zurück. Sie seien offenbar »aus dem Internet
zusammenkopiert« worden; kein Gericht der Welt würde
solche »Beweise« akzeptieren. Tatsächlich wies
kurz darauf die Bolivarische Presseagentur aus Kolumbien darauf
hin, daß einige der präsentierten Fotos bereits 2007 auf
ihrer Homepage veröffentlicht worden seien und in Kolumbien
aufgenommen wurden.