Genauso wie die Bundesregierung hat dieser junge Mann kein realistisches Programm zur Wachstumsbeschleunigung
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Der Theaterdonner ist vorbei, die Hinterzimmerfeilscherei
erfolgreich beendet: Mit den Stimmen der sieben von Koalitionen aus
CDU bzw. CSU und FDP regierten Bundesländer hat der Bundesrat
am Freitag das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabschiedet. Hinter
dieser orwellschen Bezeichnung verbergen sich einige
Steuergeschenke an Unternehmer bzw. deren Erben, ein
größerer Steuerfreibetrag für den Nachwuchs von
Besserverdienern, die Erhöhung des Kindergeldes, von der
Hartz-IV-Bezieher wie üblich ausgeschlossen werden, sowie eine
Subvention für die Hotelbranche.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung läßt sich diesen
volkswirtschaftlich komplett sinnfreien Lackmustest auf die
Glaubwürdigkeit der neoliberalen Wahlversprechen einiges
kosten. 4,6 Milliarden Euro muß der Bund schultern, die
Länder und die Kommunen werden mit 2,3 bzw. 1,6 Milliarden zur
Kasse gebeten. Dabei noch nicht eingerechnet sind die
Bestechungssummen, die christdemokratischen Landesfürsten
für ihre Zustimmung gezahlt werden mußten. Dabei geht es
vor allem um höhere Anteile des Bundes an den Bildungsausgaben
und an den Kosten für die Neuorganisation der Verwaltung von
Langzeiterwerbslosen. Eher vage wurde auch eine stärkere
Beteiligung der Länder am Mehrwertsteueraufkommen avisiert.
Entsprechend zufrieden zeigte sich am Freitag der FDP-Fraktionschef
im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, der auch
gleich einen Lösungsvorschlag angesichts der immer
gigantischer werdenden Haushaltslöcher auf Bundesebene
lieferte: »Wir sollten uns aus Afghanistan zurückziehen
– das spart Geld, der Einsatz ist sinnlos und
teuer«.
Bei der Partei Die Linke dürfte er mit dieser Idee offene
Türen einrennen, mit seiner Zustimmung zu Merkels und
Westerwelles Raubzug durch die öffentlichen Kassen wohl eher
nicht. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sprach am
Freitag von einem »Umverteilungsbeschleunigungsgesetz«.
Die Entlastung von Konzernen, Großerben und Besserverdienern
sowie von Hotels werde durch eine Belastung der Haushalte von
Ländern und Kommunen finanziert. Die Linke-Fraktionsvize im
Bundestag, Gesine Lötzsch, warf den
Unionsministerpräsidenten vor, mit ihrer Zustimmung gegen die
Interessen ihrer Länder zu handeln. Sie folgten der Kanzlerin
»wie die Lemminge«.
Ausgerechnet die SPD, die in Sachen Steuergeschenke für das
Kapital in der »rot-grünen« Ära neue
Maßstäbe gesetzt hatte, reihte sich ebenfalls in den
Chor der Kritiker ein und beschuldigte die Bundesregierung via
Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier der
»Klientelbefriedigung«. Berlins parteiloser, aber auf
SPD-Ticket agierender Finanzsenator Ulrich Nußbaum hatte
immerhin eine Idee: Er regte an, beim Bundesverfassungsgericht
prüfen zu lassen, ob es zulässig sei, den Ländern
eine Schuldenbremse aufzuerlegen, wenn es ihnen gleichzeitig
unmöglich gemacht werde, diese Ausgabenbegrenzung
einzuhalten.
Eher niveaulos waren die Versuche von Unionspolitikern, ihr
Machwerk zu verteidigen. Finanzminister Wolfgang Schäuble
sprach allen Ernstes von »klug dosierten
Wachstumsimpulsen«. Der schleswig-holsteinische
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) verteidigte
sich gegen SPD-Vorwürfe, er sei »umgefallen«,
immerhin mit Theodor Storms Gedicht »Aus der Marsch«.
Darin geht es um einen Ochsen, der auf der Weide »die groben
Halme stehen« läßt und dann zur Winterzeit das,
»was er als grünes Gras verschmäht«, nun als
Heu verdauen muß.
jW-Bericht