30.11.2009 / Inland / Seite 2Inhalt

Streit über Steuerpaket eskaliert

Mehrere CDU-Ministerpräsidenten drohen mit Nein im Bundestag

Der Streit zwischen der Bundesregierung und mehreren CDU-Ministerpräsidenten um die für 2010 geplanten Steuersenkungen hat sich zugespitzt. Nach der Kanzlerin lehnte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) weitere Zugeständnisse des Bundes ab. Nach Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Saar-Regierungschef Peter Müller lehnten am Wochenende auch Thüringens Landeschefin Christine Lieberknecht und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (alle CDU) das von der Bundesregierung geplante Wachstumsbeschleunigungsgesetz ab.

Mit Ausnahme von Schleswig-Holstein sind in diesen Ländern allerdings SPD oder Grüne an der Regierung beteiligt, weswegen sich die Bundesregierung auf deren Unterstützung im Bundesrat ohnehin nicht verlassen kann. Auf die Stimmen Schleswig-Holsteins wäre die Regierung aber angewiesen.

Sie halte die wegen der Steuersenkungen zu erwartenden Einnahmeausfälle in ihrem Land für »nicht verkraftbar«, sagte Lieberknecht am Samstag abend im ZDF. »Im Augenblick kann Sachsen-Anhalt dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz noch nicht zustimmen«, sagte auch Böhmer dem Hamburger Abendblatt (Montagausgabe). Zuvor hatte Carstensen übereinstimmenden Medienberichten zufolge mit seinem Rücktritt gedroht, sollte die Bundesregierung kein Entgegenkommen signalisieren. »Dann soll das jemand anderes machen«, sagte er nach einem Bericht des Spiegel in einem Gespräch der Länderchefs mit Merkel am Donnerstag. Im Düsseldorfer Handelsblatt (Montagausgabe) hieß es, auch Müller habe deutlich gemacht, daß das Saarland dem Gesetz nicht zustimmen werde.

Merkel lehnte dem Spiegel-Bericht zufolge weitere Zugeständnisse ab. Sie werde keinen »politischen Basarhandel« über das geplante Wachstumsbeschleunigungsgesetz eröffnen, sagte die Kanzlerin demnach bei dem Treffen am Donnerstag. Das Gesetz diene der Stabilisierung der konjunkturellen Entwicklung. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) forderte von den CDU-Ministerpräsidenten »Vertragstreue«. Schließlich hätten alle an der Regierung beteiligten Parteien den Koalitionsvertrag, der auch die Steuersenkungen beinhalte, unterzeichnet, sagte der Minister der Bild am Sonntag.

(AP/AFP/jW)
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