Mit einem Veto könnte Thomas de Maizière das SWIFT-Abkommen blockieren
Von Ulla Jelpke
Heute wird sich zeigen, daß die Versprechungen der
Bundesregierung für mehr Datenschutz keinen Pfifferling wert
sind. In Brüssel entscheiden die EU-Innenminister über
das »SWIFT-Abkommen« mit den USA. Es ist zu
befürchten, daß Bundesinnenminister Thomas de Maiziere
(CDU) dem Druck Washingtons nachgibt und kein Veto einlegt.
SWIFT ist ein Finanzdienstleister, der täglich 15 Millionen
Bank-Transaktionen weltweit abwickelt. Der Hauptsitz wurde nach
Belgien verlegt, um dem Zugriff der USA zu entgehen. Mit dem
Abkommen erhalten aber die US-Behörden erneut Einblick in
Bankverbindungsdaten, so daß jeder europäische
Bürger unter dem Vorwand der
»Terrorismusbekämpfung« ins Visier der US-Fahnder
geraten könnte.
Eine Zustimmung der EU-Innenminister wäre eine
Brüskierung des Europäischen Parlaments, das ab Dienstag
mitentscheiden dürfte. Andrej Hunko, für die Linke
Mitglied des Bundestags-Europaauschusses, nannte es einen Affront,
dem EU-Parlament Mitspracherechte vorzuenthalten, die ihm wenige
Stunden später durch den Vertrag von Lissabon zustehen
würden. Auch der Bundestag würde damit übergangen
werden.Sogar die CSU lehnt das SWIFT-Abkommen ab.
Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar kritisierte das
»Hau-Ruck-Verfahren«. Der Datenschutzstandard sei nicht
gewahrt. Der Bundesrat zeigte sich am Freitag besorgt,
»daß ein Zugriff auf die betroffenen
Finanztransaktionsdaten die Gefahr von Wirtschafts- und
Industriespionage großen Ausmaßes mit sich bringt, weil
die vorhandenen Informationen Rückschlüsse über
wirtschaftliches Verhalten zulassen«. Der EU-Innenpolitiker
Alexander Alvaro (FDP) forderte am Sonntag den Bundesinnenminister
auf, nicht umzufallen. Andernfalls müsse sich die Kanzlerin
die Frage gefallen lassen, »ob die USA inzwischen hier das
Sagen haben.« Im Koalitionsvertrag haben Union und FDP einen
»effektiven Rechtsschutz« angekündigt. Dieses
Kriterium wird nicht erfüllt.