Aus: Ausgabe vom 01.03.2016, Seite 2 / Ausland

Tränengas gegen Flüchtlinge

Auseinandersetzung an mazedonischem Grenzübergang eskaliert

Von Roland Zschächner
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Auseinandergetrieben: Mazedonische Polizisten gehen nahe Gevgelija gegen Asylsuchende vor (29.2.2016)

Die mazedonische Polizei ist am Montag nahe der Grenzstadt Gevgelija mit Tränengas und Schockgranaten gegen Flüchtlinge vorgegangen. Zuvor hatten mehrere hundert Menschen einen mit NATO-Draht gesicherten Zaun eingerissen und versucht, von Griechenland aus in die ehemalige jugoslawische Republik zu gelangen. Am frühen Morgen war der Übergang vollständig geschlossen worden, bis zu 7.000 Menschen sollen laut regionaler Medien auf griechischer Seite nahe der Stadt Idomeni ausharren.

Wie auf Videoaufnahmen des britischen Fernsehsenders BBC zu sehen ist, durchbrachen die Asylsuchenden die Absperrung, es kam zu Rangeleien mit den Einsatzkräften. Am Nachmittag hatte sich laut der mazedonischen Nachrichtenagentur Meta die Situation an dem Übergang wieder beruhigt. Ein Polizist sei verletzt worden, 30 Flüchtlinge wurden medizinisch behandelt.

Skopje lässt seit Anfang Februar nur noch unregelmäßig Schutzsuchende in das Land, oft wird die Grenze stundenlang geschlossen. Der Grund sind die von Österreich eingeführten Quoten für Flüchtlinge. Auch Slowenien, Kroatien und Serbien lassen täglich nur noch 580 Schutzsuchende passieren.

In Mazedonien besteht ebenso wie in anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens die Furcht, zur »Pufferzone« für Flüchtlinge zu werden, sollten Berlin oder Wien ihre Grenzen dichtmachen. Dieses Schicksal könnte indes Griechenland zuteil werden. Am vergangenen Mittwoch hatte Österreich zu einem gemeinsamen »Flüchtlingsgipfel« nach Wien geladen. Dort verständigten sich die Regierungen der Länder auf der »Balkanroute« darauf, stärker zusammenzuarbeiten und notfalls die Grenzen komplett zu schließen. Griechenland war nicht eingeladen worden, was zu diplomatischen Verwerfungen zwischen Athen und Wien führte.

Momentan würden 22.000 Flüchtlinge in Griechenland festsitzen, erklärte am Montag der in Athen für Migration zuständige Minister Giannis Mouzalas gegenüber dem Sender Mega. Bis zu 70.000 könnten es im nächsten Monat sein. Am Montag erreichten über 2.000 Menschen den Hafen von Piräus. Sie waren von der Türkei aus über die Ägäis auf eine griechische Insel geflohen.

Die Europäische Union kündigte am Montag laut Nachrichtenagentur dpa »Notfallpläne« für Griechenland und die anderen Staaten auf der Balkanroute an. Dazu sollen vor allem die »Aufnahmekapazitäten« vergrößert werden. Fünf als »Hotspots« bezeichnete Internierungslager sind in Griechenland geplant oder schon fertiggestellt. Brüssel will zudem die Grenzkontrollen verschärfen. Bis zum EU-Türkei-Gipfel am 7. März soll die Zahl der Flüchtlinge reduziert werden, die nach Konzern­europa kommen.

Unterdessen nehmen rassistische Straftaten zu. Im nordgriechischen Giannitsa haben Unbekannte am Wochenende zwei Lagerhallen angezündet, die zu Unterkünften für 4.000 Flüchtlinge umgebaut werden sollten. Die ehemaligen Militärhallen seien fast vollständig zerstört worden, meldeten griechische Medien am Montag.

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