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02.01.2008 / Antifa / Seite 15

»Linke Politik war nie in den Köpfen der Lesben und Schwulen verankert«

Über schwule Nazis und die Geschichtsvergessenheit der Homosexuellenszene. Gespräch mit Herbert Rusche

Markus Bernhardt
Herbert Rusche (bis 2001 Mitglied der Grünen) war in den 80er Jahren Bundestagsabgeordneter und der erste Parlamentarier, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte.

Sie waren der erste offen schwule Abgeordnete in der Geschichte des Deutschen Bundestages. Wie reagierte die Gesellschaft auf Ihr Outing?

Ganz unterschiedlich. Ich habe heute noch Schmäh- und Drohbriefe von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren und NSDAP-Mitgliedern, die ich nur mit spitzen Fingern anfasse, weil sie so von Haß triefen. Andere waren religiös verbohrte evangelikale Christen, die mich mit seltsamen Briefen und frommen Sprüchen überschütteten. Dann gab es aber auch alte und junge Schwule, die sehr froh waren, daß in der Öffentlichkeit jemand auftauchte, der wie sie schwul war und die mir entsprechende Mitteilungen zukommen ließen.

Homosexuelle Handlungen standen damals noch unter Strafe. Vom 15. Mai 1871 bis zum 11. Juni 1994 existierte in Deutschland der Paragraph 175, der sex...


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