01.09.2007 / Schwerpunkt / Seite 3

»Die Menschenrechtsfrage wird wichtigtuerisch instrumentalisiert«

Die Linke zu Besuch in Havanna: Debatten um Sozialismus, Kubas Kritiker und die Perspektive einer internationalen Zusammenarbeit. Ein Gespräch mit Oskar Lafontaine

Harald Neuber

Herr Lafontaine, es gab im Vorfeld Ihres Kuba-Besuchs Spekulationen über die Gründe der Reise. Klären Sie uns auf: Worum ging es?

Wir sind nach Kuba gekommen, weil wir an der Entwicklung des Sozialismus des 21. Jahrhunderts interessiert sind. In der Karibik und in Südamerika ist das ja ein großes Thema. Deshalb war es für uns wichtig, diese neue Entwicklung aus erster Hand kennenzulernen. Es ging uns auch um die Zusammenarbeit zwischen Kuba, Venezuela, Bolivien und Ecuador.

Was bedeutet Ihnen der Sozialismus des 21. Jahrhunderts? Sollte dieses Konzept auch in hier von der Linken diskutiert werden?

Wir waren uns bei den Gesprächen hier in Kuba einig, daß es den einen, homogenen Sozialismus des 21. Jahrhunderts nicht gibt. Jedes Land hat seine eigenen historischen, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen. Jedes Land wird daher eigene Antworten finden müssen. Für uns Europäer stehen zwei Dinge im Zentrum der Sozialismusdebatte: die Machtkontrolle und ...

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