19.04.2007 / Feuilleton / Seite 12

Ohne Halt

Hauptsache, man fühlt sich fremd: Wie in »Slumming« wieder einmal das Abendland untergeht

Peer Schmitt
Slumming« ist der zweite Spielfilm des österreichischen Regisseurs Michael Glawogger, der als Urheber aufwendiger Dokumentarfilme wie »Megacities« (1998) oder »Workingman’s Death« (2005) bekannt wurde.

Ich mag Glawoggers Filme nicht. Für mich macht Michael Glawogger mit die häßlichsten und prätentiösesten Filme der Welt. Und das ist, ausnahmsweise, überhaupt kein bißchen ein Kompliment. An Glawoggers Dokumentarfilmen erscheint mir vor allem ihre Tendenz, das Soziale durch ein schockhaftes Kreatürliches – geschlachtete Ochsen, winselnde Hunde, gerupfte Hühner – hypostasieren zu wollen, ausgesprochen dubios. Die weder vor Blut noch Boden zurückschreckende visuelle Sensationsgier verdrängt die Reflexion. Nicht jeder findet das so grundsätzlich verwerflich. So verteidigte Christof Meueler in dieser Zeitung Glawoggers Grobheiten anläßlich von »Workingman’s Death« (jW vom 27.4.2006) wie folgt: »Denn es geht um Filmkunst, auch wenn das die meisten durchsubvention...

Artikel-Länge: 4969 Zeichen

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich

Jetzt die junge Welt abonnieren und Zugriff auf alle Artikel erhalten!

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe