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08.01.2007 / Schwerpunkt / Seite 3

Todeskuß für Abu Mazen

Keine Freilassung von Gefangenen, kein Abbau von Kontrollpunkten: Israel schwächt faktisch den palästinensischen Präsidenten und stärkt die Hamas-Regierung

Uri Avnery
Seitdem Judas Ischariot Jesus umarmt und geküßt hat, hatte es in Jerusalem solch einen Kuß nicht noch einmal gegeben. Nachdem Ariel Scharon und Ehud Olmert Mahmud Abbas (Abu Mazen) jahrelang boykottiert hatten, wurde er am 23. Dezember in die offizielle Residenz des Ministerpräsidenten eingeladen. Dort umarmte Olmert ihn vor den Kameras und küßte ihn auf beide Wangen. Abbas sah überrumpelt aus und erstarrte. Irgendwie erinnerte die Szene an einen anderen politisch motivierten Körperkontakt: das peinliche Geschehen beim Camp-David-Treffen im Jahr 2000, als Ministerpräsident Ehud Barak Yassir Arafat mit Gewalt in den Raum schob, in dem US-Präsident William Clinton wartete.

Bei beiden Vorfällen war es eine Geste, die den Anschein erwecken sollte, man wolle dem palästinensischen Führer Respekt zollen, aber beides waren tatsächlich Gewaltakte – anscheinend in Unkenntnis der Sitten des anderen Volkes und dessen heikler Situation. In Wirklichkeit ging es um etwas...

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