09.11.2006 / Feuilleton / Seite 12

Zustand der Zäune

Alfonso Cuaron hat ein Händchen für schiefe Märchen: »Children of Men« zeigt das urbane Leben im London der nicht allzu fernen Zukunft

Peer Schmitt
Fährt man von der Londoner Innenstadt aus mit dem Zug in bestimmte Randbezirke, bietet sich einem ein prunkvolles Bild mittlerer Verwüstung. Die Bahngleise sind von verrosteten, halb eingerissenen Zäunen gesäumt.

Den deutlichen Kontrast zum offensichtlich ruinösen Zustand bilden allerdings Werbe- und Propagandabotschaften aller Art und zwar so groß, so glänzend, so überzeugend, daß hiesige Stadtbilder dagegen als Manifestationen puritanischster Bescheidenheit gelten müssen.

Die Regierung gibt augenscheinlich mehr Geld für Kampagnen aus, die ihre Bürger vor Gefahren aller Art warnen, als für alle doch sehr notwendigen infrastrukturellen Maßnahmen zusammen. Ihr aktueller Lieblingsslogan heißt: »more choice!«. Mehr Wahlmöglichkeiten hat man immer dann, wenn irgendeine öffentliche Einrichtung gerade außer Betrieb ist.

Vor diesem Hintergrund ist es die größte Errungenschaft von Alfonso Cuarons Film »Children of Men« die Stadt London mittels einiger gezielter Üb...





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