02.09.2006 / Geschichte / Seite 15

Indianer dürfen schenken

Vor 55 Jahren hob die kanadische Regierung das Potlatch-Verbot auf

Thomas Wagner
Als am 4. September 1951 der novellierte Indian Act in Kraft trat, fehlten darin Passagen, die Kanadas Indianern bis dahin untersagt hatten, Feste zu feiern, die Reden, Tanz- und Geschenkrituale beinhalteten. Mit dem absurden Verbot hatte die Regierung schon im Jahr 1884 der hochentwickelten indianischen Fischerkultur der amerikanischen Nordwestküste den Todesstoß versetzen wollen. Der verschwenderische Gabentausch im Rahmen der Potlatch-Feste galt als ein ernstes Hindernis für die Durchsetzung bürgerlich-kapitalistischer Erwerbsnormen. Die Bewohner der Nordwestküste waren intern zwar weniger egalitär organisiert als andere Indianergesellschaften, doch verstanden sie ebenso gut wie diese, das gesellschaftliche Mehrprodukt im Rahmen aufwendiger Feste umzuverteilen, zu verzehren oder demonstrativ zu zerstören, statt es in privater Hand endlos zu akkumulieren.

Der Potlatch war somit zunächst eine Institution, die sich gegen die Herausbildung einer antagonist...

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