12.06.2006 / Feuilleton / Seite 12

Missionare in Stellung

Antikommunistische Ausfälle bestimmten die Mobilisierung schwul-lesbischer Gruppen zur Gleichheitsparade in Warschau

Markus Bernhardt
Nachdem schon das ehemalige Jugoslawien und der Irak von bundesdeutscher Seite in Sachen Menschen- und Freiheitsrechten belehrt wurden, sind nun die osteuropäischen Länder ins Visier sogenannter Bürgerrechtler geraten. Während man bei den beiden erstgenannten Ländern noch mit Bomben und Granaten versuchte, die Bevölkerung von westlichen Werten zu überzeugen, beschränkt man sich im Fall von Rußland und Polen erst mal auf Demonstrationen und Kundgebungen. So demonstrierten am vergangenen Sonnabend über 4500 Lesben und Schwule im polnischen Warschau für ihre Rechte. Zur Teilnahme an der sogenannten Gleichheitsparade (»Parada Równosci«) hatten neben polnischen Homo-Aktivisten auch mehrere deutsche Organisationen von links bis ganz rechts aufgerufen. Während Polens Lesben und Schwule tagtäglich unter den faschistoiden Ausfällen katholischer Haßprediger und Politiker zu leiden haben, mißbrauchten die ins Land eingefallenen Bundesdeutschen die Parada Równosci je...

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