09.01.2006 / Feuilleton / Seite 13

Tiefste Schlucht

Heinrich Harrer hatte immer gut zu tun, sein Gepäck beieinander zu halten

Colin Goldner

Am Samstag starb ein sogenannter Völkerkundler. Der 1912 im Kärntner Obergassen geborene Heinrich Harrer gilt immer noch vielen als Inbegriff ungezügelten Forscherdrangs und Abenteuertums. Er war auf zahllosen Expeditionen in Afrika und Asien unterwegs, auf der Suche nach irgendwelchen »Wilden«, die es zu »entdecken« und publizistisch auszuschlachten galt und deren Artefakte im europäischen Kunsthandel verhökert werden konnten.

Weltbekannt wurde Harrer durch seine angeblichen »sieben Jahre in Tibet«, über die er 1952 einen bis heute viermillionenfach verkauften und in 48 Sprachen übersetzten Bestseller vorlegte. In diesem Buch erweckt er den Eindruck, er habe über Jahre hinweg »am tibetanischen Königshof« gelebt, wo er »sehr bald zum Lehrer und vertrauten Freund des Dalai Lama« aufgestiegen sei. Tatsächlich war er im Rahmen einer Nanga-Parbat-Bergexpedition 1944 in Nordindien in britische Kriegsgefangenschaft in geraten, aus der er zusammen mit einem ...

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