07.07.2005 / Inland / Seite 4

Trotz Suizidgefährdung in Abschiebehaft

Landkreis Göttingen will Ahmed Saado mit allen Mitteln abschieben. Angehörige mit Bußgeld belegt, weil sie über das Zellenfenster Kontakt zu ihm aufnahmen

Reimar Paul

Wie ein Schwerverbrecher an Händen und Füßen gefesselt, wurde Ahmed Saado am Dienstag nachmittag in Hannover dem Haftrichter vorgeführt. Der bestätigte, daß der 43 Jahre alte Flüchtling bis auf weiteres im Abschiebeknast einsitzen muß. Der Landkreis Göttingen will Saado in die Türkei abschieben und ließ ihn deshalb am 8. Juni in seiner Wohnung in Ossenfeld bei Göttingen verhaften. Bei seiner Einreise aus dem Libanon nach Deutschland vor 20 Jahren habe er seine Identität als Türke verschleiert, erklärt die Behörde. Ahmed Saado kam bereits als Kleinkind in den Libanon. Von dort floh die Familie während des Bürgerkrieges 1985 nach Deutschland.

Weil beim Verwaltungsgericht Göttingen noch ein Eilantrag anhängig ist, hat der Landkreis die Abschiebung bis zum 15. Juli ausgesetzt. Die Behörde ignoriert dabei das Votum des zuständigen Amtsarztes. Der Arzt der Abschiebhaftanstalt habe bei Saado eine Suizidgefährdung festgestellt und von einer Abschiebun...

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