Gegründet 1947 Mittwoch, 24. Juli 2019, Nr. 169
Die junge Welt wird von 2201 GenossInnen herausgegeben
19.04.2005 / Feuilleton / Seite 12

Ein Richter-Revue-Star

Weitgehend milde und von Tomatendiebstählen vor Gericht nicht überzeugt: Der Berliner Richter Rüdiger Warnstädt hat eine wahrhaftige Anekdotensammlung vorgelegt

Anne Hahn

Zu den besonderen Eigenschaften von Beamten gehört ja die Vermehrung, wo gestern noch zwei saßen, sind morgen schon drei und in einem halben Jahr vielleicht sogar schon vier anzutreffen. Bei der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin gab es zu meiner Zeit zwölf Abteilungsleiter, die Zahl hat sich seither mindestens vervierfacht.«

So spricht nicht der Dichter, sondern der Richter. Und so heißt dann auch das unterhaltsame Buch von Rüdiger Warnstädt, ehemaliger Amtsrichter in Berlin-Moabit. In »Herr Richter, was spricht er?« betrachtet er Gesetzesbrecher weitgehend milder als Politiker und Beamte, die erst fragwürdige Gesetze beschließen und dann durchzusetzen trachten. Warnstädt, der während seiner aktiven Zeut als »Deutschlands originellster Richter« Zeitungsmeldungen zufolge schon kaum einer Autorität Respekt zollte, zieht nun richtig vom Leder. Wie schon in seiner Urteilssammlung »Recht so! 80 originale Strafurteile ...«, erschienen 2003 im Verlag das Neue Berlin, verwundert es eher, daß der Diebstahl einer einzigen Tomate zur Verhandlung zu kommen droht, als daß ein mitdenkender Richter die Sache für zu nichtig befindet und fallenläßt. Eine Frau, die mit einem scheußlichen Mann und drei ebenfalls scheußlichen Söhnen geschlagen ist, behält der Richter als eine sehr nette Frau i...

Zu den besonderen Eigenschaften von Beamten gehört ja die Vermehrung, wo gestern noch zwei saßen, sind morgen schon drei und in einem halben Jahr vielleicht sogar schon vier anzutreffen. Bei der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin gab es zu meiner Zeit zwölf Abteilungsleiter, die Zahl hat sich seither mindestens vervierfacht.«

Artikel-Länge: 5259 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen
Bitte einloggen
Hilfe bei Einlog-Problemen

Abo abschließen

Gedruckt

Printabo

Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

41,80 Euro/Monat Soli: 52,80 €, ermäßigt: 29,80 €

Online

Onlineabo

24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

19,80 Euro/Monat Soli: 25,80 €, ermäßigt: 12,80 €

Verschenken

Geschenkabo

Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

41,80 Euro/Monat Soli: 52,80 €, ermäßigt: 29,80 €