13.09.2004 / Feuilleton / Seite 12

Lärmusik

Programmatische Fehler: Das neue Mutter-Album

Marc Degens

Mutter hat eine neue Platte veröffentlicht. Es ist das siebte Studioalbum der Berliner Krachrocker. Titel: »CD des Monats«. Das Album dröhnt und rockt, klagt und atmosphärt. Es ist ungestüm und keinesfalls gut produziert. Mitunter hat man das Gefühl, direkt im zugemüllten Mutter-Proberaum zu stehen: Der Baß ist zu leise, das Schlagzeug zu laut. Die Texte versteht man bloß im Ansatz, aber in der Regel reichen ja schon aufgeschnappte Satzfetzen, ein Lied mitzufühlen, mitzubrüllen.

Wenn Blixa Bargeld der einfallsreichste deutschsprachige Ich-Sänger der ernsten populären Musik ist (»ich bin sechs Meter groß/ich bin Prometheus/ich bin das letzte Biest am Himmel«), dann ist Max Müller von Mutter zweifellos der bedeutendste Du-Sänger (»du bist häßlich/du bist nicht mein Bruder/du bist, was du bist«). Ironie und Feingefühl sind ihm fremd. Seine Verse sind kränkend, finster und endgültig.

Die erste Hälfte der neuen Mutter-Platte ist ausdauernd, schwermütig...



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