19.08.2004 / Inland / Seite 6

Doppelagent Binalshibh

9/11-Prozeß gegen Motassadeq: Warum die US-Regierung dem Angeklagten einen Persilschein ausstellt

Jürgen Elsässer

Ein Rohrkrepierer im Hanseatischen Oberlandesgericht: Der als mutmaßlicher Terrorhelfer angeklagte Marokkaner Mounir El Motassadeq soll zum »engen Kreis« um die Hamburger Attentäter des 11. September 2001 gehört haben, sagte ein Zeuge am Dienstag. Der Beschuldigte habe in der Hierarchie des Zirkels an fünfter Stelle gestanden, so der 23jährige Student Shahid Nickels, der ebenfalls zu dieser Gruppe gehört hatte. Laut Nickels habe unter den moslemischen Studenten Einigkeit geherrscht, »daß Selbstmordattentate legitim sind« und daß »die Juden in Amerika zuviel Macht« hätten.

In vielen Medien wird diese Aussage als »schwere Belastung« des Angeklagten interpretiert. Das ist Unsinn, denn nach Nickels’ Auftritt kann zwar als wahrscheinlich gelten, daß Motassadeq ein Terrorsympathisant war – aber diesem Psychogramm widersprach schon am gestrigen Mittwoch ein Nachbar des Angeklagten. Vor allem beweist die Psyche Motassadeqs noch nichts. Gegen eine Tatbeteiligu...

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