23.01.2004 / Feuilleton / Seite 12

Ohne Ball spielen

Das Wunder von Jena: Ein Theaterstück über Fußball als Requiem, dessen Chor aus der Stadionkurve kommt

Günter Platzdasch

»Jetzt sind wir wieder wer«, meinte Kapitän Fritz Walter 1954, nachdem die BRD Fußballweltmeister geworden war – und das Land remilitarisiert wurde. Im Theaterstück »Wir im Finale – ein deutsches Requiem« von Marc Becker, das Christian von Treskow im Theaterhaus Jena inszeniert, wird auf die üblichen Pointen einer politisch-sportlichen Parallelaktion verzichtet. Seit Matthias Beltz’ Kabarettstück über die deutsche Mannschaft, die in der 33. Minute losstürmte und in der 45. Minute, nur scheinbar geschlagen, sich tröstete, daß ein Spiel 90 Minuten hat, ist alles über nationales Erwachen zwischen Januar 1933 und Oktober 1990 gesagt.

Dazu der Autor (des nur durch Szenennumerierung gegliederten Texts): »Mich interessiert, warum die Menschen in diesem Land mehr Emotionen entwickeln, wenn die Fußball-Nationalmannschaft auftritt, als bei dem Gedanken, was aus ihrer Rente wird.« Um das zu ergründen, spielt ein siebenköpfiges Ensemble aus Männern und Frauen (he...

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