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03.12.2003 / Feuilleton / Seite 12

Foltergeist

Politisierend oder klischiert: Johan Maria Rotmans Oper »Die sechste Stunde« am Geraer Theater

Günter Platzdasch / Christian Schmidt

»Flammen brauchen Öl«

Ludwig van Beethovens »Fidelio«-Trompetensignal hat Ernst Bloch zeitlebens zu Tränen gerührt. Im »Prinzip Hoffnung« schwärmte er, es sprenge Gefängnismauern für die Sonne frei: »Wie nirgends sonst wird Musik hier Morgenrot«. Die Begegnung mit Bloch politisierte Johann Kresnik, der Rotmanns Oper »Die sechste Stunde« jetzt in Gera auch als Anklage gegen das USA-»Terroristen«-Reservat Guantánamo inszenierte. Ein Treppenwitz, daß am Tag nach der Uraufführung die Freilassung einiger Pakistani aus Guantánamo gemeldet wurde. Es war gewiß nicht dem Trompetenbläser zu verdanken, den Kresnik im zweiten Rang aufstellte. Opern ändern keine Zustände. Wenn in ihnen beschriebene Zustände nicht mit falschen Harmonien verkleistert, sondern aufgeklärt werden, können sie Denken und Fühlen ändern.

Derart hat Kresniks Inszenierung mit jenem Trompetensignal und mit docta spes, Blochs »belehrter Hoffnung«, zu tun. Der Rückzug ins Dunkel zu einem Stü...



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