05.11.2003 / Ausland / Seite 9

Owen entlastet Milosevic

Früherer EU-Sondergesandter vor UN-Tribunal in Den Haag: Jugoslawiens Expräsident wollte Frieden

Matthias Gockel

Im Verfahren gegen Slobodan Milosevic vor dem »Internationalen Straftribunal für das ehemalige Jugoslawien« ist am Montag und Dienstag ein Zeuge aufgetreten, der auch die Aufmerksamkeit der ansonsten desinteressierten westlichen Presse für den »Prozeß des Jahrhunderts« kurzfristig wiedererweckt hat. Lord David Owen, ehemaliger britischer Außenminister und von 1992 bis 1995 EU-Sonderbeauftragter für den Balkan, war in Den Haag auf eigenen Wunsch als »unabhängiger Zeuge«, nicht als Zeuge der Anklage, vorgeladen.

Jugoslawiens Expräsident Milosevic betrachtet das UN-Tribunal als unrechtmäßig, will den Prozeß jedoch dazu nutzen, um möglichst viele Fakten an die Öffentlichkeit zu bringen, die das Zerrbild der jüngsten Balkan-Kriege als eine Reihe »serbischer Aggressionen« widerlegen. Zu diesem Zweck verteidigt er sich selbst. Chefanklägerin Carla del Ponte behauptet, Milosevic habe eine rassistisch motivierte Politik mit dem Ziel eines »Großserbiens« verfol...

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