03.05.2003 / Thema / Seite 8

Das Schloß – so nah, so fern

Vor 25 Jahren bombardierte Südafrika das südangolanische Flüchtlingslager Kassinga. Die DDR nahm überlebende Waisenkinder auf. Eine Spurensuche

Gerd Schumann

Mein Ziel heißt »Bellin« – »Die Weiße« oder »Die Schöne« – 400-Seelen-Ort ein Dutzend Kilometer südlich von Güstrow. Ich kehre zurück. Das mittelalterlich-großklotzige Kopfsteinpflaster schüttelt mich durch und weckt meine Erinnerung an den Dezember 1989. Nein, die Aufschrift »LPG Freundschaft« am Abzweig Zehna gibt es nicht mehr, landwirtschaftliche Arbeitsplätze kaum noch, der Bücherbus kommt alle vier Wochen, der Jugendclub ist dicht, die HO-Gaststätte ebenfalls. Das Schloß allerdings thront wie eh und je in gigantischer Pose am Ende eines Parks.

Damals lebten hier 140 schwarze Kinder zwischen drei und sieben Jahre – eine nicht nur auf dem platten mecklenburgischen Land eher sonderbare Belegschaft. Daß dramatische Veränderungen ins Schloß standen, die in einem finalen, hastigen Auszug kulminieren würden, ahnte noch niemand. Der Staat, der die Fremden beherbergt hatte, weil sie in ihrer Heimat unerwünscht waren, hörte genau in jenem Augenblick auf zu ...

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