Schwarzer Kanal
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19.06.2019 / Feuilleton / Seite 14

Rotlicht: Toleranz

Arnold Schölzel

Der erste Chef der »Stasi«-Unterlagenbehörde von 1990 bis 2000 und spätere Bundespräsident Joachim Gauck (2012 bis 2017) hat ein Buch über Toleranz geschrieben. Großinquisitoren predigen gern Nächstenliebe. Im Gauck-Werbemagazin Spiegel durfte das Maskottchen der deutschen Reaktion am Sonnabend erläutern, worum es ihm geht: um eine »erweiterte Toleranz in Richtung rechts«. Die hat Gauck stets praktiziert. Sein geistiger Ziehvater war ein Onkel, der als Theologe 1931 Mitglied der NSDAP geworden war. Der mutmaßliche Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke erfreute sich, wurde kurz nach Erscheinen des Spiegel-Interviews bekannt, der »erweiterten« Toleranz des Staates seit mehr als 25 Jahren.

Gaucks Idee erinnert an Versuche, Absolutadjektive wie »schwanger«, »tot« oder »dreieckig« zu steigern. Die Forderung führt zurück in die klerikale Diskussion über Toleranz, d. h. vor jene Zeiten, seit denen Meinungsfreiheit rechtlich garantiert ist. Eine »Erweiterung« h...

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