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17.05.2019 / Feuilleton / Seite 10

Nur etwas betäubt

»Verzweiflungsbrennen«: In seinen Tagebüchern offenbart sich das Unglück des Essayisten Michael Rutschky

Gerhard Henschel

Im Nachwort zu Michael Rutschkys nachgelassenen Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1996 bis 2009 blickt Jörg Lau auf seine eigene Vergangenheit zurück. »So ungefähr wie die Rutschkys wollte ich auch leben«, habe er sich gedacht, als er Mitte der achtziger Jahre in der Berliner Wartenburgstraße bei Michael Rutschky und dessen Frau Katharina ein und aus zu gehen begann. »Die Wartenburgstraße 18 wurde mir der Inbegriff von Westberlin als geistiger Lebensform. Die Eheleute Rutschky hatten es irgendwie geschafft, Gesellschaftskritik ohne Dünkel und Apokalyptik zu betreiben. Außerdem schien ihre Ehe den Beziehungswahn der Siebziger unbeschadet, wenn nicht gar gestärkt überlebt zu haben. Der junge Mann aus der Provinz sah nur ein modellhaftes Eheglück zweier Schriftsteller, die sich für wechselseitig intellektuell satisfaktionsfähig hielten.«

So wie Lau ging es vielen, wenn nicht sogar allen Nachwuchsautoren, die der Essayist Michael Rutschky gefördert und mit den...

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