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14.05.2019 / Feuilleton / Seite 11

Jan Böhmermann und der Tag der Befreiung

Erwin Riess

»Jan Böhmermann war in Graz«, sagte der Dozent, während er Grolls Hand schüttelte. Als der Dozent fortsetzen wollte, schnitt Herr Groll ihm mit dem Satz »HC Strache war bei Orbán auf der Budapester Burg«, das Wort ab. Der Dozent ließ sich aber nicht beirren und wiederholte: »Jan Böhmermann war in Graz und hat dort eine Ausstellung …«

Wieder unterbrach Groll: »Die FPÖ-Spitze war auf der Budapester Burg, an jenem Ort, an dem im März 1920 Miklós Horthy als Reichsverweser einzog, staatsrechtlich war Ungarn ja eine Monarchie, aber eine ohne König, und Horthy verwaltete das Land, als Reichsverweser eben. Dass in dem Fachwort auch die Verwesung steckt, sollte sich bald zeigen. Tatsächlich war Horthy der unumschränkte Herrscher, Ungarn galt als das Land der drei Millionen Bettler, in dem das Lied ›Szomoru vasarnap‹/›Trauriger Sonntag‹ verboten war, weil so viele Menschen sich, der Werther-Hysterie ähnlich, nach dem Lied umbrachten. 24 Jahre übte der Donaufaschist...

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